Steffen Kersken


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*Alles auf den letzten Drücker

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Auszug aus "Hilfe et Weihnachtet!"



Foto: Pixabay.com


Tipp 3

Erledigen Sie an Weihnachten möglichst viel und noch auf den letzten Drücker!

Viele Menschen kommen tatsächlich erst in die Gänge, wenn sie unter Druck geraten. Sie kennen das vielleicht früher vom Lernen. An Weihnachten ist es oft ähnlich, da geht man mal eben schnell noch ein Geschenk kaufen oder mal eben die Pute für abends besorgen! Ich mach mal eben schnell und das an Weihnachten, so sparen Sie Zeit und die Läden sind ganz bestimmt so gut wie leer gefegt! Das weiß man ja schließlich, dass Heiligabend nirgendwo was los ist, denn heute ist ja schließlich ein Feiertag! Da bekommt der Satz „Wozu ein Auto? Ich genieße mein Leben in vollen Zügen!“ eine ganz neue Intention! Und falls Sie Gäste bekommen sollten: Putzen Sie die Bude morgens noch mal lupenrein, sodass ihre Gäste bei Tellermangel notfalls vom Boden essen können! Das Parkett muss leuchten und die Fenster glänzen, nichts anderes erwarten Ihre Gäste an solch einem Festtag! Und falls Stress aufkommt, einfach herunterschlucken, denn die Zeit nach Weihnachten dient zum Relaxen und genießen! Weihnachten selber kann ruhig an Ihnen vorbeigehen, das kommt ja jedes Jahr wieder! Vielleicht nicht Ihre Gäste, aber der Stress! Versprochen! Regen Sie sich auch nach dem Putzen bloß über jeden Fussel auf oder sammeln Sie mit der Hand jede herabgefallene Tannennadel auf, um sie schimpfend zum Müll zu überführen! Ich erinnere mich noch an die Liesl Weinstädt, ganz eine liebe, also wirklich, aber einfach zu gewissenhaft, und wat is: plötzlich Burnout! Da war nix mehr mit putzen und kochen, von jetzt auf gleich Burnout! Die Liesl hat doch letzten Nikolaus tatsächlich zu ihrem Mann gesagt: „Wenn die Kampmanns heute kommen, muss ich da wirklich eine Hose anziehen?“ Sacht man sich ja, dat die Liesl das gesagt haben soll. Schrecklich. Es gibt wirklich Leute, die sagen: „Wenn ich mir bei Besuch eine Hose anziehen muss, dann ist dat kein Besuch, sondern ein Termin!“ Aber bei der Liesl war das eindeutig der Stress! Völlig von der Rolle, obwohl sie immer die Vorzeige-Ehefrau war! Schlimm so wat! Schade! Rücken Sie deshalb viertelstündlich bitte jede Tischdecke wieder gerade, das ist ganz wichtig: Hinterlassen Sie immer einen symmetrischen Eindruck! Symmetrie ist das A und O einer gelungenen Feier! Ich weiß noch vor vier Jahren beim Nikolaus-Kaffee bei den Schwelgers in Rees, da waren wir mal zu Besuch und die hatten eine ganz tolle Kommode bei sich in der Diele, also ganz toll. Das kennen Sie ja vielleicht auch, wenn man irgendwo anders zu Besuch ist und man sich fragt, warum haben wir nicht diese Kommode? Meine Frau fragt mich das ständig, wenn wir irgendwo sind! „Und der Garten erst! Toll! Dieser Pflanzenschnitt, och und dieser kleine Springbrunnen! Wieso haben wir das nicht so?“, sagte meine Frau zum zweiten Mal! Ich sage dann immer: „Hauptsache wir haben uns! Dat ist die Hauptsache!? Jedenfalls saßen wir nun im Wohnzimmer am kleinen Buchentisch, der Kaffee war schon durchgelaufen und die Leute haben heutzutage ja überall in den Ecken so kleine Sekretäre oder Beistelltischchen stehen, die werden einem ja quasi nachgeworfen, diese Tischchen! Egal wo man guckt, in der Ecke, um jede Ecke, als Raumtrenner, als Mal-Tisch, als Lampen-Tischchen, als Zeitschriften-Ablage oder MiniBar für zwischendurch, in Rundform und mit zwei Beinen oder dreifach ineinandergeschoben. Egal wo, überall diese Zustell-Tischchen, die irgendein Möbeldesigner in den 70erJahren erfunden hat. Ich sage ja immer: „Die Dinger nehmen doch nur Stauraum weg!“, meine Frau meint aber: „A wat, du kannst doch nicht alles mit Stauraum zupflastern, et muss doch auch mal was schön aussehen. Es muss nicht immer alles nur funktional sein, Sachen können auch einfach mal nur schön sein. Ich weiß, dat ist schwer für dich zu begreifen, gerade für dich!“ Auf diesen Dingern, die einfach nur schön sind, liegen von Omma Trude jedenfalls immer diese kleinen Läufer oder wie sagt man jetzt, Lappen, diese kleinen Häkeldeckchen, Servietten-Teile, französisch Carpette oder einfach gesagt diese niederrheinische Vorleger da drauf! Die Dinger kennen Sie doch, nicht wahr? Diese feinen Häkeldeckchen, da kommt man am Niederrhein nicht dran vorbei! Ganz fein sind die! Die Dinger liegen bei jeder Wohnungsentrümpelung zu Tonnen in Schubladen und Schränkchen! Dann heißt et immer: „Kannst Du die Deckchen gebrauchen? Wir ja nicht! Wir haben davon einfach zu viele, aber Omma hat die Teile alle selber gehäkelt, die sind tipptopp! So wat kannst du nirgends kaufen!“ Mal ehrlich, wie soll man da jetzt noch Nein sagen können? Und diese HäkelDinger lagen auch überall bei den Schwelgers auf diesen Tischchen drauf, aber alle schräg und vollkommen ohne jeglichen symmetrischen Ansatz! Einfach schräg, völlig sinnlos und ohne Zweck! Staubfänger! Ich griff also nach rechts zum Tischchen und nach vorne über an den Buchentisch, wo ich also noch herankam, und suchte mit den Fingern die Ränder nach diesen kleinen Schildchen ab, wo alles draufsteht, um diese nach unten unter die Bauchseite zu klappen. Ich mache das immer so und erst dann richte ich im Regelfall die Flusen vorne und hinten wieder senkrecht in Neunzig-Grad-Stellung zum Deckchen, da wo sie hingehören! Wir haben das schon früh bei Omma gelernt, als Kind ist man damals noch viel gerannt, damals, und hat dabei am Teppich immer die Fransen verdreht. Omma schrie dann immer aus der Küche: „Fransen gerade!“ oder „Fransen runter!“, wenn die hochstanden, so als konnte sie mit Röntgenblick durch die Küchenwand durch ins Wohnzimmer gucken. Fast unheimlich! Aber an Schwelgers komischen Teilen waren gar keine Schildchen dran. Ich habe die Deckchen dann zumindest von ihrer Schieflage befreit und gerade gerückt! Symmetrisch. Meine Frau bekam das während der Unterhaltung im Augenwinkel mit und guckte schon ein wenig ernst, aber dann kam Ekaterina ins Zimmer, die Tochter der Schwelgers. Ekaterina, der Name allein ist schon hochschwanger, so sagt man ja, wenn etwas erhaben ist oder besonders. Ekaterina, also wirklich hochschwanger dieser Name, zwölfter Monat! Dieses Kind ist gerade 6 Jahre alt, kommt ohne was zu sagen an das Buchentischchen ran und schiebt doch tatsächlich nach und nach alle Häkel-Dinger wieder in die Schräge zurück! Also so wat! Also so wat!
„Dieses Kind!“, denke ich! Ich hatte Tendenzen, ihr eins auf den Hinterkopf zu geben, aber heutzutage spricht man ja. Früher war das ja anders, heute spielt selbst der alleinerziehende Dachdecker aus Bedburg-Hau den erfahrenen Sozial-Pädagogen! Da stehst du vor dem Kind und sagst so Sätze wie: „Das macht man nicht!“ Ein schrecklicher Satz! Was heißt eigentlich genau „man“? Der Nachbar? Die Leute vom Sparklub in der „Runden Ecke“? Und das Kind fragt sich das zu Recht: „Wieso muss ich alles genauso wie der Sparklub machen? Wieso sind Leute eigentlich im Sparklub?“ „Mach das bitte so, wie ich dir … Ich möchte aber nicht, dass du … Ich habe dir schon zweimal gesagt … So nicht und lass bitte … Samma, hast du wat an den Ohren oder hörst du mir eigentlich nie zu, wenn ich … Höre bitte! Hörst du nicht? Haben wir uns da jetzt verstanden? Du gehst hoch ins Bett! Einmal noch, dann … Wir fahren sonst und dein Brüderchen darf hierbleiben!“ Das ist die berühmte niederrheinische Sonderpädagogik: besonders laut, aber wirkungslos!
Die Kinder sagen ja nix auf solche Sätze, jedenfalls habe ich das noch nie erlebt, dass ein Kind aufschaut und sagt: „Ja, alles klar, war mein Fehler, kommt nie wieder vor!“ Dat Kind sagt einfach nix. Et sagt nix, wenn man wat sagt!
Es schweigt. Es sitzt den Stress aus. Das ist die Merkel-Taktik: Schweigen und aussitzen. Sie müssen mal bei Kinder drauf achten. Jedenfalls steht jetzt die Ekaterina an dem schiefen Häkeldeckchen und guckt mich provozierend an, so als wüsste sie, datt ich die Deckchen gerade gerückt habe. Ich sag zu ihr: „Lasset!“ Ich sage generell zu Kindern immer nur: „Lasset!“ Das ist Nieder-Römisch, eine Mischung aus Platt und Latein, also Deutsch „Lassen“ = relinquo, „es“ = quod, „Lass es bitte sein“ = Fiat ei placere, also Nieder-Römisch = Lasset! Genauso wie Siehsse! Niederrheinisches Wort für: „Ätsch, da habe ich mal wieder recht gehabt und du nicht! Schade aber auch!“ oder „Jetzt haben wir eine halbe Stunde diskutiert, nur um mal wieder festzustellen, dass ich recht habe und du im Unrecht bist! Wie immer!“
Siehsse ist Sehen = videre, Du = vos, also Non vides, in Nieder-Römisch = Siehsse!
Wie neulich die Kaminskis:
„Warum bist du denn nicht rechts gefahren, wie ich dat vorhin schon gesacht habe. Vorhin, damit meine ich, wo wir noch in Neukirchen-Vluyn waren, aber du hörst ja einfach nicht! Et geht immer nur nach deiner Pfeife, als wenn du die Weisheit gefressen hast! Kumma, dabei zeigt dat Navi doch einen ganzen anderen Weg an, aber Du immer mit deinen tollen Abkürzungen, du glaubst gar nicht, wie sehr mir dat auf den Senkel geht! Du glaubst gar nicht, wie ich dir dafür manchmal einen auf den Latz geben möchte! Jedes Mal kommen wir zu spät, aber wirklich jedes Mal, nur weil der Herr von und zu wieder eine seiner Abkürzungen fährt, die zwanzig Minuten länger dauern als der normale Weg. Die Ter Steegens sind bestimmt schon beim Nachtisch! Peinlich, sag ich dir, einfach peinlich. Du erklärst denen dat! Ich nicht! Ich will damit nix zu tun haben, dat mach mal schön selber!“ „Nu warte doch mal ab, wir fahren da vorne rechts und dann sind wir am Schwafheimer Meer, da sparen wir fünfzehn Minuten. Du musst einfach nur mal Geduld zeigen, aber Geduld ist ja ein Fremdwort für dich!“ Endlich angekommen, steigt die Beate Kaminski wutentbrannt aus, aber so wat von wütend, und marschiert schnurstracks ins Haus. Er steigt eher entnervt aus und auf dem Weg rein kommt ihm der Peter Buchwald entgegen, der sagt noch nicht mal ‚Hallo’ und fragt direkt: „Wieso kommt ihr denn aus Richtung Schwafheim? Wenn ihr in Moers schon rechts abgebogen wärt, dann hättet ihr eine halbe Stunde gespart!“ Noch bevor er adäquat hätte antworten können, erschallt eine laut hallende Stimme aus dem Kippfenster in der Küche, wie aus heiterem Himmel, von oben herab trifft sie ihn in Mark und Bein. Es ist nur ein Wort: „Siehsse!“
Ich sitze also da und sag zu Ekaterina auf Nieder-Römisch: „Lasset!“ Sie guckt mich nur an, aber sagt nix! Sie sagt nix! Dieses Kind sagt nix, es guckt nur so dösig in die Leere! Also so wat! Ich guck meine Frau an und sie sieht sofort, wie erregt ich bin, versucht mich aber durch Small Talk mit den Schwelgers zu ignorieren. Das macht sie öfters, meine Gefühle mit Small Talk wegignorieren. „Also dieses Kind, da muss man doch was sagen, so wat Freches kann man doch nicht ignorieren!“, denke ich. „Hast du schon mal gesehen, dass Häuser schief gebaut sind oder Türme schief in der Gegend herumstehen? Oder Elektromasten! Alle gerade gebaut! Bilder hängt man auch symmetrisch auf und nicht schief! Ich könnte dir jetzt stundenlang Beispiele bringen und deshalb sag ich dir, gerade muss dat Häkeldeckchen! Gerade muss dat gelegt sein!“, aber dat Kind sagt nix und geht einfach. Stellen Sie sich das mal bitte vor! Ich bin gerade dabei, die Dinger wieder alle geradezuschieben, da kommt Paul rein, der vierjährige Bruder von Ekaterina, der hochschwangeren, und schiebt die Teile, die ich eben wieder gerade positioniert hatte, ungefragt in die Schieflage zurück, und das vor meinen entsetzten Augen! Also da geht bei mir ja gar nix mehr, also so wat! Dieses Kind! Ich versuche mich zu beherrschen, ich bin ja kein Typ, der sich sonst aufregt, und sage: „Hör mal, Paul, jetzt ist das aber auch kein richtiges Häkeldeckchen mehr, wenn das schief liegt!“ „Bei uns liegt das aber immer schief, außerdem ist das kein Häkeldeckchen, sondern eine Vintage, eine gehäkelte Unterdecke von meiner Omma aus dem 2. Weltkrieg!“ Da bin ich baff! So jung und schon so verkorkst! Ich sag: „Lasset, du Klugscheißer!“ und zieh an dem HäkelTeil und merk, wie der Junge auch noch gegen hält. Da sagt meine Frau zu mir: „Lasset, Steffen! Ich glaube, wir gehen besser, der Herr hat heute wieder keine Manieren, da fehlte er wohl, wo das bei seiner Erziehung dran war!“ Wir sind dann gegangen, aber ich sage... mehr im Buch

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