Steffen Kersken


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* Weihnachten muss perfekt sein!

Neue Bücher und Texte > * Hilfe et Weihnachtet!

Auszug aus "Hilfe et Weihnachtet!"
Tipp 1:

Weihnachten muss der Perfekteste und schönste Tag des Jahres sein!


Leben Sie in der Weihnachtszeit ihren Perfektionismus und Ihre zwanghaften Anteile aus, denn eines ist klar: Zur schönsten Zeit des Jahres muss alles so harmonisch wie möglich ablaufen! Weihnachten kann nur schön sein, wenn alles perfekt ist und nach meinem Plan funktioniert! Gerade die Weihnachtszeit eignet sich zum Ausleben ausgeprägter Eigenschaften, unter denen vor allem die Mitmenschen zu leiden haben. Und aus eigener Erfahrung wissen Sie: Perfektionismus,Druck und Erwartungshaltungen fördern die Leistungsfähigkeit. Viel Druck hilft viel und in allen Lebenslagen. Er ist deshalb äußerst nützlich, schließlich sind moderne Menschen quasi Stress resistent und mal ehrlich, ohne Druck können und wollen wir doch gar nicht mehr leben oder überleben! Wir werden ja tatsächlich schon früh an das Leistungsprinzip herangeführt. Psychologen sprechen davon, dass die Sozialisation maßgeblich für unser Bewertungssystem verantwortlich ist. Die Erziehung durch unsere Eltern, unsere Vorbilder, die sozialen Kontakte und gesellschaftliche Strukturen bilden unsere hohen Erwartungshaltungen und Wertesysteme aus. Deshalb ticken wir so, wie wir ticken, weil wir als Erstes durch unser Umfeld maßgeblich geprägt werden. Ich bin ja am Niederrhein aufgewachsen... worden und der Niederrhein ist in seiner landschaftlichen Schönheit bekanntlich unheimlich Facettenreich! Deshalb ist der Typ-Niederrheiner an für sich vielleicht auch so Facettenreich und voller charakterlichem Reichtum, so sach ich ja immer: charakterlicher Reichtum! Der Niederrheiner ist so und bleibt so, wie er ist, vor allem wegen seiner Sozialisation. Wegen dem Niederrhein eben. Er hat so liebevolle Macken mit denen man den Unterschied zwischen Krank sein und Macke so richtig verdeutlichen kann. Und Fehler zu haben, ist in Zeiten von Perfektionismus und Leistungsdruck ja so enorm wichtig! Sich zu lieben mit seinen eigenen Macken und sich nicht in allem verbiegen zu lassen, tut uns gut! Und Mal ehrlich, uns nicht zu mögen, das tun wir ja schon oft genug und das macht bekanntlich auch krank: Immer und überall perfekt sein zu wollen!
Die Menschen hier am Niederrhein, ihre ganze Seele, ihr Sprechen, ihr Denken und ihr Fühlen ist Niederrhein. Niederrhein ist eben nicht moderne Patchwork Gesellschaft! Der Niederrheiner ist lebensfroh, mit liebenswerten Macken und immer mit einer helfenden Hand. Mal laut, mal leise, mal lachend oder mal leidend. Ja und so gegensätzlich ist der Niederrhein auch: Mal flach, mal bergig, mal Fluss durchtränkt, mal ausgetrocknet, mal still, mal aufgewühlt und mal begradigt. Der Niederrheiner strebt nicht nach Perfektionismus, ihm gelingt auch nicht immer alles. „Aber dat is auch gut so!“, sach ich immer, dat ihm nicht immer alles gelingt und ihm seine Macken oftmals im Wege stehen. Aber heutzutage muss alles nach Plan laufen, korrekt sein,bloß keine Fehler, nicht Nein sagen und immer funktionieren. Immer aufstehen,weiter,voran,studieren, dreimal um die Welt und zurück, aber das macht bekanntlich krank. Niederrheinisch zu leben könnte heute wertvoller denn je sein. Eigene Macken zu akzeptieren und damit zu leben, macht gesund, so einfach könnte man es formulieren, wenn das Leben auch so einfach wäre.
Als Ergotherapeut teile ich die Niederrheiner immer gerne in verschiedene psychologische Kategorien ein. Eine Kategorie, die so fürchterlich korrekt und perfektionistisch, strukturiert denkt, besteht aus dem Klugscheißer vom Klosterkamp. Ich weiß nicht, ob sie schon mal von ihm gehört haben oder sogar einen kennen, auch das hat man ja schon mal, dass man einen Klugscheißer persönlich kennt! Das Kloster Kamp ist jedenfalls eine ehemalige Abtei in Kamp Lintfort am Niederrhein und wurde 1123 gegründet, das nur am Rande für die Klugscheißer, ich möchte Sie ja mit mir nicht belasten. Wenn wir als Kind Mist gebaut hatten, sachte mein Oppa z.B. immer zu uns: „Jetzt gibt et aber den Segen von Kloster Kamp! Dat sach ich euch aber!“ Das bedeutete nämlich, jetzt gibt es Senge oder eins auf den Deckel. Er hat damit auch im Erwachsenenalter nicht aufgehört, nein, das konnte er nicht, da kam er nicht aus seiner Haut! Das Kloster liegt noch heute auf einer Anhöhe, von überall gut sichtbar und thront drohend von oben herab über Lintfort. Deshalb sagten wir zu den Besserwissern immer Klugscheißer von Kloster Kamp. Das Lexikon würde ihn deshalb wie folgt umschreiben:
Der Klugscheißer. Der Besserwisser. Fundiertes Halbwissen. Weiß alles, kann alles, kann dir tausend Ratschläge geben, auch wenn du et nicht möchtest! Der ehrgeizige Perfektionist! Moralische Instanz. Der Moralapostel schlecht hin. Kläger, Richter und Henker zugleich.
Der Besserwisser, der sich durch hartnäckiges anlesen von Klappentexten ein fundiertes Halbwissen angelegt hat, dass er dir bei jedem passenden Stichwort um die Ohren knallt. Das ist der narzisstische Theken Philosoph vom Dienst.
„Ich weiß es nicht wirklich, nur so ungefähr, tu aber mal so und gebe auf jeden Fall meinen Senf dazu, und zwar so überzeugend, dat alle nachher meinen, dat ich Recht habe!“
So denkt der Klugscheißer von Klosterkamp und er handelt mit Überzeugung! Neu modern liest der niederrheinische Klugscheißer jetzt immer Wikipedia statt Klappentexte von Büchern, ist ja günstiger. Aber auch nur quer. Et wird nur Quergelesen, nie wat ganz. Sie müssen das mal beobachten, wenn Sie in einer niederrheinischen Stadt zu Besuch sind, da sitzt der Typ immer allein im Café mit dem Handy und liest quer, quasi als Vorbereitung für gesellschaftlich-soziale Abende.Dieser Typus sitzt meistens allein da, weil dat ja keine Frau lange aushält, permanent so eine Klugscheißerrei!
Für diesen Typus gibt es zwei Ausprägungen, zum einen der Kneipengänger, der seine Allwissenheit über die Gäste versprüht, dieser Typ kann alles, weiß alles, und diese Tatsache schmiert er auch den Umstehenden aufs Butterbrot oder ins Bier hinein. Der Typ ist in der Lage, dich an den Rand zu diskutieren, und du hast überhaupt keine Chance, deine Meinung im Ansatz zu äußern oder dass er dich und deine Ansichten wirklich versteht oder er dich verstehen möchte! In der Kneipe markiert er den unantastbaren Moralapostel, welcher bewertet und richtet, wie es ihm beliebt. Er steht ja über den Dingen und Menschen, der Typus ist unangreifbar für Präsidenten, Kanzlerinnen und Kanzler, Prominente, aber auch für Ausländer, Kneipengänger und den Nachbarn von neben an. Es ist gefährlich mit ihm zu diskutieren, gerade dann, wenn er sich Mut angetrunken hat, denn dann liebt er es, sich mit den Menschen um ihn herum anzulegen und sich zu messen. Der Klugscheißer ist natürlich selber an nichts Schuld.
A wat, er doch nicht! No, Non, Niet, Geen, Uimh, Nei, Ingen! Der Typ trägt die weißeste Weste von Neukirchen Vluyn bis Orsoy. Er ist der Unschuldsengel von Monteverde! Dabei müsste ich sagen, er ist der singende Engel aus Tirol! Wenn du einen solchen Typen an die Wand diskutiert hast, gibt er dir im Leben nicht recht, er sagt nur lapidar: „Dat is Ansichtssache!“
Du könntest ihm eine vom Bürgermeister beglaubigte Urkunde vorlegen, die dir absolut und unausweichlich recht gibt, aber Typ würde die Urkunde beiseite schieben und sagen: „Dat is Ansichtssache!“ Sie sollten es dabei belassen, damit alle Leute wieder in Ruhe ihr Bier trinken können und sich der Sturm legt. Die andere Ausprägung meidet eher die große Kneipenbühne, lebt aber seinen Sturkopf in Form seiner perfektionistischen Strukturen aus.
Nehmen wir mal an, entgegen aller Wettervorhersagen erstrahlt die Sonne am Niederrhein und Du möchtest mal eine schöne Fahrradtour von Wachtendonk zum Hülser Berg machen. Jetzt rufst Du diesen Sturkopp an, ob er mit möchte: „Hömma, die Sonne scheint und wir sind gerade mit dem Fahrrad Richtung Hülser Berg, wollt Ihr nicht mitkommen?“ Da kommt er Dir mit einer total lapidaren Ausrede um die Ecke, vollkommen ohne Sinn und Zweck: „Nee Danke, aber wir sind gerade am Kochen, wir machen Kohlrabi mit Kartoffeln, Rostbratwurst und Buttersauce!“
„Dat is doch wirklich nicht schlimm, hömma! Ihr könnt doch dann einfach später essen!“
„Nee, wir essen immer mittags um eins!“ „Aber ihr könnt doch bei dem Wetter mal eine Ausnahme machen, wo es doch so schön ist, dann esst ihr halt mal um 16 Uhr.“ „Nein, dat mit dem mittags essen, haben wir schon immer so gemacht. Immer! Wir haben außerdem um 16 Uhr auch gar keinen Hunger mehr!“
„Ja, dann fahren wir eben hoch auf den Berg und essen pünktlich um eins im Restaurant!“ „Nee, weißt du, ich glaube die Birgit will auch gar nicht Radfahren!“ „Woher weist Du das denn? Hast Du die Birgit denn gefragt, ob sie Radfahren möchte?“
„Nee, dat weiß ich einfach!“ „Also dat hört sich aber komisch an!“
„Dat liegt auch an Ihren Hämorriden, weißt du, die hat wieder Malesse mit de Hämorriden!“ „Die Birgit ist gestern aber noch mit dem Rad zu Aldi gefahren, dat hab ich persönlich gesehen und sie hatte nicht gerade ein schmerzverzerrtes Gesicht!“ „Dat war auch morgens und nicht mittags um eins, wo die nach Aldi gefahren ist!“
„Ach so, kommen die Hämorriden jetzt immer nur mittags um eins?“
„Nein, dat nicht. Aber wir können einfach nicht!“ Daran sieht man, der Typ kommt nicht aus seiner Haut, er ist so in seinem Tunnel und Struktur drin, dass Flexibilität für Ihn ein Fremdwort ist! Der Typ müssten eigentlich Spontanität trainieren, auch wenn sich dabei dann der Sinn von Spontanität aufhebt, aber anders kriegt er das scheinbar nicht hin! Aber es gibt wirklich Leute, bei denen muss alles akkurat sein, immer akkurat gekleidet, immer aufgeräumt, alles Tipptop. Solche Leute fühlen sich im Kopp nur gut, wenn die Bude aufgeräumt ist oder andersherum, wenn die innerlich durch denn Wind sind, dann fangen sie an ihre Bude aufzuräumen, dann fühlen sie sich besser. Meinen sie zumindest, dass dadurch alles besser wird. Ich versuche meiner Tochter schon früh zu vermitteln, dass wir gar nicht alles in Ordnung halten können, also innerliche wie äußerliche Ordnung. Wenn sie auf der Suche ist, sage ich immer zu ihr: „Nichts ist verloren, mein Kind, auch wenn du etwas gerade jetzt nicht finden kannst. Alles hat seine Zeit. Außer deine Mutter weis auch nicht wo es ist. Dann ist es für immer und ewig weg!“
Jetzt Ostersonntag war das Wetter doch so schön und ich fahr mit dem Fahrrad hinten durch Holderbusch in Richtung Schwafheimer Meer, da sehe ich, wie die Erika ter Strücksken die Fenster putzt. Sie müssen wissen, das wir am Niederrhein schon je her so komische Namen hatten, dat war aus der geschichtlichen Betrachtung heraus immer so! Die Namensforscher nennen dat ja Präfixe, weil die Leute früher irgendwo dran, daneben, drauf oder bei etwas gewohnt haben. Die Leute hatten dann im Namen so komische Zusätze, z.B. Uff, an, op den, op gen und ter. Das waren also Hinweise im Namen, wo einer jetzt am Niederrhein bei kommt. Und dat sken war meistens die Verniedlichung von wat großem, bzw. in der direkten Generationen-Abfolge zu betrachten, also der Sohn oder die Tochter von einem Vater oder der Mutter. Also war die Erika ter Strücksken die Tochter ihrer Mutter und wohnte irgendwo am Struck, beim Struck, aufm Struck oder zumindest nahe dran. Aber genug davon, ich möchte Sie ja nicht mit mir belasten. Die Erika ist an sich ja eine ganz liebe Person. Doch! Doch! Dat muss ich schon sagen, dat is ne Liebe! Also nett war sie immer, gar keine Frage! Auch ihr Mann Ernst, immer nett, immer grinsend, aber der Ernst hat ja letzten Winter eine schlimme Winter-Depression bekommen, also so richtig schlimm! Dat sacht man sich ja, aber da müssten sich auch schon ganz viele Leute täuschen, wenn der Ernst keine Depression hätte, also ganz viele! Ganz schlimm! Ganz Schlimm! Knalle depressiv der Mann, aber sowat von depressiv. Eigentlich schade, weil der ja immer so lustig war, sollte man nicht meinen, dat der depressiv ist. Der Ernst hatte eigentlich immer einen Spruch parat, egal wo man war, egal wo man stand oder ob schlecht Wetter war, der Ernst konnte einen immer zum Lachen bringen. Er war nur scheinbar total depressiv dabei! Die Waltraud ter Steegen sacht ja, et läge am Sohn. Die Waltraud hatte ich nämlich in Baerl beim Einkaufen getroffen, müssen Sie wissen und die sacht auch, der Jung vom Ernst soll ja so intelligent gewesen sein, also so richtig intelligent. Der Jung hatte wohl drüben an der Heinrich Heine Schule einen Abi-Schnitt mit 1,8 und wat is? Er würde jetzt irgendwo auf dem Land bei Kevelaer in einer Gärtnerei arbeiten, angeblich in der Frühlingssamenabteilung.Ganz schlimm! So sacht man sich ja. Und dat mit einem AbiSchnitt von 1,8! „Fürchterlich!“, sacht noch die Waltraud, „ und daran muss der Ernst wohl dran zerbrochen sein! So sacht man sich hier. Und alles nur, weil der Jung kein Akademiker geworden ist! Schlimm!“ „Ja!“, sachte ich noch zur Waltraud, „wenn der Jung doch Blumen mag! Soll er doch machen! Ich sach ja immer, wenn einer genau weiß, wat er mag, dann soll er et doch machen! Ja soll er doch gefälligst machen! Dann ist die Welt doch in Ordnung! Alles is dann in Ordnung! Soll er doch machen!“ „Aber ich kann den Ernst da mit seiner Depression gut verstehen!“, sachte mir die Waltraud noch beim Gehen. „Er war so ein lustiger, aufgeschlossener Mann, aber dann wie aus dem nichts sowat von depressiv! Schade!“ sachte die Waltraud. „Wirklich Schade! So Leute mit Depression kann man ja heutzutage zu nix mehr einladen. Ja wirklich! Die ziehen mit Ihrer Laune jede Party mit in den Abgrund! Aber sowat von! Da ist die Stimmung auf halbmast! Aber schade um den Ernst! Schade! Ich habe ihn wirklich sehr gemocht.“ „Also Waltraud!“, sachte ich, „der Ernst ist doch nicht tot! Mal ehrlich Waltraud, noch nicht!“
Sachte die Waltraud: „Der Ernst sitzt nur noch in Ballonseide auf dem Sofa, guckt fern oder in sein Handy rein, ansonsten macht er rein gar nix mehr! Sacht man sich. Sogar, wenn Gäste kämen, würde der Ernst mit Ballonseide die Leute empfangen, auch letztes Weihnachten wäre dat so gewesen. Dat is doch...
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