Steffen Kersken


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* Wat zum Schmunzeln

Neue Bücher und Texte > * Buch Dat is Ansichtssache!

Spruch:

„Ich sitze gerne in meinem Garten unter dem Apfelbaum in Oestrum am Niederrhein,
trinke eine Flasche guten Rioja
und schaue so herum, wie die Bienen von Blüte zu Blüte fliegen. Hin und wieder fällt ein Appel vom Ast herunter auf meinen Kopp,
und irgendwie kommt mir dann eine Idee.
Wenn mir genügend Äppel auf den Kopp gefallen sind, habe ich genügend Ideen für ein neues Buch zusammen.“

Steffen Kersken, 2009




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Niederrhein-Floskel-Lexikon

Viele Themen werden in diesem Buch mithilfe von Anekdoten und Beispielen aus dem Leben der Niederrheiner verdeutlicht. Der Niederrheiner ist ein Typ für sich und spricht seine eigene Sprache.
Häufig sagt er etwas, meint aber etwas völlig anderes. Das heißt, die Botschaft, die er sendet, muss der Empfänger übersetzen können. Ein Niederrheiner weiß oft, was sein Gegenüber mit einer Floskel oder einem Ausspruch meint, aber für Außenstehende muss das nicht unbedingt der Fall sein. Ich könnte auch sagen, dass der Niederrheiner oft widersprüchliche Signale sendet. Der Empfänger braucht quasi einen Code, um die Botschaften eines Niederrheiners zu verstehen. Deshalb gibt es in meinen Büchern ein Niederrhein-Floskel-Lexikon, um die Botschaften und die Welt des Niederrheiners verständlicher zu machen. Es ist nicht alphabetisch geordnet, sondern frei nach Schnauze verfasst!

* Dat is Ansichtssache
Der Buchtitel und zugleich einer der beliebtesten Sätze am Niederrhein.
Wenn dem Niederrheiner eindeutig nachgewiesen ist, dass er definitiv kein Recht hat, also absolut im Unrecht ist, dann verwendet er die Floskel: „Dat is Ansichtssache!“
Die Floskel wird benötigt, um seinem Gegenüber nicht direkt Recht geben zu müssen. Der Niederrheiner hasst es nämlich, im Unrecht zu sein.
„Dat is Ansichtssache!“ ist das Pseudonym für „Stimmt, da lag ich falsch!“.
Niederrheiner streiten ja so unheimlich gerne und in allen Lebenslagen. Man könnte fast meinen, Streiten ist am Niederrhein ein offiziell anerkanntes Hobby.
„Schatz, ich geh mal für ein Stündchen rüber inne Kneipe, einfach en bisscken streiten und klugscheißen!“
„Okay, Schatz. Viel Spaß!“
Der Niederrheiner will ja auch immer Recht haben, obwohl er vom Prinzip überhaupt nicht weiß, wovon er da wirklich spricht. Egal was für ein Thema gerade über den Stammtisch geht, der Niederrheiner gibt einfach seinen Senf dazu. Er stellt einfach mal eine These auf oder eine Behauptung, bezieht Stellung oder korrigiert andere lehrerhaft. Ist doch egal, wenn man nur son bisscken von etwas weiß. Halbwissen reicht immer, um im Recht zu sein. Ein fundiertes Halbwissen ist die halbe Miete.
Selbst wenn einer der Streithähne eine Urkunde auf den Tresen legt, die vom Bürgermeister höchstpersönlich beglaubigt ist und eindeutig beweist, dass der andere falsch liegt, so schiebt der Ertappte die Urkunde weg und sacht: „Dat is Ansichtssache!“
Beide Parteien haben so das Gefühl, recht zu haben und können – mehr oder weniger friedlich – ihr Bier weiter trinken.


* Wer weiß, wofür et jut is
Wenn der Niederrheiner Mist gebaut hat und das auch ganz genau weiß, dann verwendet er die Floskel: „Wer weiß, wofür et jut is!“
Er möchte damit die Situation irgendwie retten und von seinem Fehler ablenken.
Psychologisch betrachtet eine gute Variante, um mit negativen Erlebnissen umzugehen. Frei nach dem Motto:
„Ist zwar Schitte gelaufen, aber für irgendwat wird et jut sein!“
Übersetzt heißt das:
“Wir können aus allem Negativen auch etwas Positives rausziehen.“
Ein Beispiel:
Herbert Wackermann, ein selbstständiger Maurer aus Wesel, hat Probleme mit seiner Erlebnisfähigkeit. Sprich, er neigt dazu, frei raus alles zu sagen, was ihm so situativ in den Sinn kommt. Wackermann ist dadurch nicht selten der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Man könnte auch sagen, er verpasst es öfter mal, die Schnauze zu halten. Herbert hat dadurch auch mal eine Schul- und Kursparty seines siebzehnjährigen Sohnes gesprengt, als er vor den Mitschülern seines Sohnes, immerhin nach dem zwölften Obstler im hauseigenen Partykeller, von der Liebe schwadronierte:
„Liebe ist relativ! Ich habe mich zum Beispiel zuerst in die Riesenbrüste deiner Mutter verliebt!“ Die neue Freundin seines Sohnes fand das nicht so witzig und hat sich prompt am selben Abend getrennt. Wie der Vater, so der Sohn, dachte sie.
Am nächsten Tag von seinem wutentbrannten Sohn darauf angesprochen, entgegnete der etwas verkaterte Herbert: „Wer weiß, wozu et jut is! Deine Mudder und ich mochten die Giftnudel sowieso nicht. So eifersüchtig, wie die war, die hätte dir sowieso dat Leben auf Dauer zur Hölle gemacht. Da kommt bestimmt noch wat Vernünftiges, guck mal, so jung, wie du noch bis, da wirst du noch viele Nüsse knacken!“ Wozu sich entschuldigen, wenn es diese schöne Floskel gibt?

* Sach schnell, nee, sach ma nix
Der Niederrheiner Typ A, in meinem Vorgängerbuch genau beschrieben, ist die Quasselstrippe des Niederrheins. Er springt quasi von Anekdote zu Anekdote, von Aussage zu Aussage, und bringt sämtliche Personen und Vorgänge miteinander in Verbindung, ohne dabei einen wirklichen Zusammenhang herzustellen, worauf aber der Zuhörer vergeblich wartet. So kann ein einfacher Broteinkauf um die Ecke zu einer anstrengenden Sache werden, weil man in den Quasselwahn des Typs A gerät.
Und der Typ A führt eigentlich keine Unterhaltung mit dir, sondern hält einen Monolog. Er spricht dich häufig mit der Floskel „Sach schnell“ an, um zwei Geschichten zu verbinden oder wenn ihm gerade mal die Details nicht einfallen, nur um im selben Moment zu sagen: „Nee, sach ma nix!“ Es könnte ja sein, dass sein Gegenüber dann das Wort erhält. Fühle dich also nicht vom Niederrheiner aufgefordert zu sprechen, nur weil er sagt: „Sach schnell!“ Nein, es heißt eigentlich:
„Augenblick, mir fällt gleich ein, wat ich noch sagen wollte, und dat is ne Menge!“

* Niederrheinische Taubheit
Diese eigenwillige Ohrenerkrankung kommt besonders in den älteren Generationen des Typus Niederrheinus vor. Erkrankte leiden besonders darunter, nur dat zu verstehen, wat sie verstehen möchten! Starrsinn, Egoismus, Sturheit oder Knorrigsein sind häufige Vorerkrankungen der niederrheinischen Taubheit! Studien haben ergeben, dass diese Erkrankung öfter beim männlichen Geschlecht auftritt.

* Niederrheinische Amnesie
Eine Erkrankung ausgelöst durch Aneinanderreihung von Anekdoten, die zum Verlieren des roten Fadens führt. Der Niederrheiner verliert gerne den roten Faden in seinen Erzählungen und vermischt Geschichten miteinander, ohne Sinn und Zweck dabei erkennen zu lassen. Er erzählt dir von dem Bandscheibenvorfall des Arbeitskollegen, um dir eigentlich einen Orthopäden zu empfehlen, schweift aber ab und erzählt von Willi Stumpf, den er ja wiederum im Wartezimmer des Orthopäden getroffen hatte, wie der sich letztes Jahr mit dem Fahrrad nach der Kneipe den Schädelbruch zugezogen hatte.
Noch bevor die Geschichte von Willi Stumpf endet, streut er die Geschichte des Wirtes mit ein, in dessen Kneipe sich der Willi Stumpf vor dem Schädelbruch besoffen hatte. Der Sohn vom Wirt, der smarte August, hatte sich nämlich auf der Mallorca-Tour an den Ballermann einen nicht diagnostizierbaren Ausschlag im Schrittbereich eingehandelt. Wirt August diskutierte diesen Ausschlag nämlich mit seinen Gästen und ob die so was schon mal gehabt hätten.
Seine Frau vermutet ja, dass der Ausschlag von der Kordhose kommt, die sie ihrem Sohn zum Geburtstag geschenkt hatte. Und während der Kopp so von der Kordhose schwadroniert, fällt dem plötzlich ein: „Moment mal, wat war denn jetzt mit dem Orthopäden eigentlich?“ und sagt zu dir:
„Aber ich wollt dir doch noch wat zu dem Orthopäden sagen, aber wat war dat denn jetzt? Sach mal schnell, nee, sach ma nix! Mir fällt et gleich wieder ein.“
Der hat völlig den roten Faden verloren, du weißt natürlich, was er dir eigentlich sagen möchte, aber du kommst ja nicht zu Wort.
„Jetzt is et mir wieder eingefallen!“, sagt der Kopp. Er erzählt dir aber im nächsten Satz nicht von dem Orthopäden, nein, sondern vom Bäcker Wendt, der letzte Woche beim Orthopäden wegen seiner Arthritis vorsprach und seinen alten Fiat loswerden möchte. Ob du nicht jemanden kennst, der den Fiat eventuell nimmt. Ich sollte von dem Wagen aber auch nicht mehr so viel erwarten. Also fahren täte er noch, so wie der Willi Stumpf jetzt wieder Fahrrad fahren würde.
Ich glaube, nur der Niederrheiner ist in der Lage, Begriffe wie Bandscheibenvorfall, Schädelbruch, Kordhose und Fiat in einen Satz zu bringen!
Niederrheinische Amnesie. Der rote Faden ist weg!

* Dingenskirchen
Der Niederrheiner schaltet sein Gedächtnis beim Quasseln aus, das heißt, er vergisst eigentliche Fakten und Kernaussagen. Stattdessen redet er über alles, was so am Rande geschieht und was ihm gerade so in den Sinn kommt. Er versucht nun, seinen Faden wiederzufinden, also das, was er im Kern eigentlich sagen wollte, und füllt den Zeitraum des Denkprozesses mit diesem Begriff.
„Sach ma, weißt du ob in der Schreinerei bei dem Kaminsky noch ein Ausbildungsplatz frei is? Wie heißt die Schreinerei jetzt von dem Kaminsky, weiße doch, da an der Bahnschranke an der Wiesenstraße. Weiße doch, der Kaminsky, der damals mit ner zehn Jahre jüngeren Geliebten durchgebrannt is. Ja, der is mit der nach Lissabon und hat da dat ganze Familienvermögen durchgebracht. Die Edith von der Metzgerei, weiße doch, die mit dem Jogi auf dat Gymnasium geht, die is doch mit der Tochter von dem Kaminsky zur Musikschule gegangen, weiße doch, vorne auf der Querstraße an der Wäscherei. Wie heißt jetzt die Querstraße, sach et. Hier, Dingenskirchen. Die Tochter vom Kaminsky hat doch immer so gerne Klarinette gespielt. Weiße doch noch, beim Schulmusical hat die noch die erste Klarinette gespielt. Dat hab ich noch so richtig vor de Augen, wie die da so vor sich hinspielt. Schade, datt Klarinettenspieler kein Beruf is. Ich wollte als Kind auch mal ein Instrument spielen, aber meine Eltern hatten ja gar kein Geld für so wat. Dat war nach dem Krieg auch nicht selbstverständlich, für so wat Geld auszugeben. Da war man ja froh, datt man die Butter aufm Brot hatte! Aber wat wollte ich dir jetzt eigentlich vertellen?
Sach schnell, nee, sach ma nix. Hier, Dingenskirchen. Weiße doch noch.
Und der Kaminsky is ja dann von der Alten, also von der Jüngeren verlassen worden, weil der ja kein Geld mehr hatte. Und da saß der Kopp dann alleine in Portugal fest. Die Hilde hat den Kaminsky dann doch noch in Lissabon abgeholt, obwohl er sie betrogen hatte. Dat muss man auch erst mal machen. Ich könnte so wat ja nicht. Aber ich würde ja auch nicht betrogen werden. Seitdem mein Kalle in Rente is, is der so richtig aufgegangen, wie son Hefekuchen. Der is so attraktiv für ne Frau, wie ne Herdplatte für nen Popo. Aber wat wollte ich dich jetzt eigentlich fragen? Hier, Dingenskirchen. Gleich fällt et mir wieder ein. Sach ma nix!“

* Da machste nix dran!
Kein anderer Satz drückt die niederrheinische Gelassenheit so gut aus wie diese Floskel. Dieser Satz ist am Niederrhein weitverbreitet, und er drückt einen endlichen Zustand aus, den der Niederrheiner versucht zu erfassen und zu verarbeiten. Ein Niederrheiner verwendet ihn, wenn etwas kaputt gegangen ist, jemand verstorben oder schwer krank geworden ist, sonst etwas Schlimmes oder auch weniger Schlimmes passiert ist. Die Menschen drücken damit ihr Beileid aus, geben Zustimmung und zeigen Mitgefühl. Die Floskel macht Unendliches etwas endlicher oder einen Zustand, der eigentlich nicht begreifbar ist, etwas greifbarer.
Der Satz spiegelt quasi den Prozess der Rationalisierung wider, indem wir Dinge, die wir nicht erklären können, mit seiner Hilfe an unseren begrenzten Horizont anpassen.
Der Niederrheiner würde es einfacher ausdrücken: „Jut. Kapieren tu ich et nicht, aber et soll mich jetzt auch nicht weiter jucken!“
Du solltest mal eine oder zwei Wochen lang zählen, wie oft dir dieser Satz am Niederrhein begegnet. Nur zum Spaß! Meine Statistik: In drei Wochen 16 Mal. Aber ich komme ja auch mit vielen Menschen in Kontakt.
„Sach ma Rosi, hast du dat vom Ernst gehört. Hier, der Ernst von der Lutherstraße, weiße doch, der die Hobby-Imkerei im Garten hat. Dat war ja immer komisch, bei dem einzukaufen, denn der Ernst hat doch eigentlich den Computerladen kurz vor der Mühle in Bergheim. Die Mühle is ja jetzt auch still gelegt. Weißt du eigentlich warum? Is ja auch egal, aber wenn ich beim Ernst im Laden war, da wollte der mir immer den komischen Honig von dem seine Bienen da andrehen. Im Computerladen! Wieso verkauft der seinen Bienenhonig im Computerladen? Ich will einen Memory-Stick kaufen und der Kopp dreht mir Honig an. Wo gibt et denn sowat? Du weißt doch, wat en Memory-Stick is, Else? Ich wollte jedenfalls meine Urlaubsbilder mal sichern, weiße, von Amrum, da bin ich doch im Juni mit dem Bernd hin. Dat war auch höchste Zeit, der war ja auch kurz vor sonne Burnout. Da kam ihm Amrum gerade recht, obwohl Urlaub auch nur son Tropfen aufm heißen Stein is. Da muss man schon den Alltag stark verändern, um nich vor Stress umzukippen. Aber Bernd sacht ja auch immer, datt et auch keine richtige Erholung für ihn wäre, wenn er mit mir in den Urlaub fährt. Wat er da so genau mit meint, weiß ich jetzt auch nich. Jedenfalls, Dingenskirchen, steh ich beim Ernst im Laden und sach: ‚Ich brauch 8 Gigabyte!‘ Und Ernst sacht: ‚Kumma, ich hab hier Senfhonig, ganz frisch ausm Garten. Wollste mal probieren?‘
Sach ich: ‚Ernst. Wat soll dat denn jetzt bitte? Ich will 8 Gigabyte und du drehst mir Senfhonig aus Bergheim an?‘
‚Ja warum denn nicht? Dat is bester Honig von den besten Bienen. Sowat kriegst du nirgendwo mehr her, so ne Qualität!‘ Also sowat passiert dir auch nur hier bei uns am Niederrhein, so ne Chause. Dat sag ich dir, Else. Jedenfalls hatte ich den Ernst vor sechs Wochen noch aufm Markt getroffen, da sah der schon son bisscken komisch aus, überall mit so roten Stiche. Ich hab noch gedacht, datt dem seine Bienen mal Lust hatten, ihn zu drangsalieren, aber gestern hab ich die Lisa Herbert getroffen, dat is doch die Cousine vom Ernst, und die hat mir jetzt gesagt, datt der Ernst letzte Woche quasi implodiert ist. Ja. Einfach weg vom Fenster. Schrecklich. Dat waren wohl keine Bienenstiche, sondern Ödeme. Der Ernst hat wohl im ganzen Körper so Wassereinlagerungen gehabt, bis dat irgendwie nich mehr ging und der wie so ein Ballon implodiert ist. Der Kopp is auch nie zum Arzt gegangen, der hätte ja wat finden können! Aber Rosi, erzähl dat mal aber keinen weiter, die Lisa hat mir dat auch alles vertraulich erzählt, dat muss ja jetzt auch nich jeder wissen. Aber Rosi, ich sach dir, da machste nix dran, an sowat. Wenn et kommt, dann kommt et!“
„Nee, da hasse Recht. Da machste nix dran!“ Kurzes Schweigen.
„Schon schlimm sowat, wenn einer so krepiert. Also da möchte ich lieber einfach umfallen, anstatt so zu innerlich zu implodieren!“
„Ja, dat is schon schlimm! Da sachse wat!“
„Kannze aber auch nix dran machen!“
„Nee, da machste auch wirklich nix.“ Kurzes Schweigen.
„Dat Wetter is jetzt aber auch wieder dröge, nicht wahr, Rosi? Hast du vom Wetter auch son Blutdruck?“
„Ja, fürchterlich, wenn dat Wetter im Oktober so umschlägt, da wird man richtig dröge!“
„Ganz schlimm! Aber da kannze auch nix dran machen!“
„Nee, da machste auch nix dran am Wetter!“
Da machste auch wirklich nix dran – an der Floskel!

* Fiese Möpp
Der Universalbegriff für „schlecht“ oder „doof“. Der Begriff wird häufig beim Wetter verwendet:
„Wat is heute wieder fürn Fiese-Möpp-Wetter!“ oder auch gern bei Personen, die sie nicht mögen:
„Dieser Freund vonne Michaela, da, der Bauarbeiter aus Kevelaer da, dat is aber en fieser Möpp, der Kerl. Nee du, dat sach ich dir aber.“
Im Zusammenhang mit „schlecht“ auch gern verwendet: Fisimatenten.
Der Satz „Mach mal bloß keine Fisimatenten“ stammt aus dem Mittelalter und soll laut alt-patriotischer Erzählungen aus der französischen Besatzungszeit stammen. Französische Soldaten sollen Frauen mit folgendem Satz in ihr Zelt gelockt haben:
„Visitez ma tente!“ Frei übersetzt heißt es: „Besuchen Sie mein Zelt!“
Wenn für Frauen abendlicher Ausgang anstand, wurde ihnen deshalb etwas mit auf den Weg gegeben: „Mach aber bloß keine Fisi ma tenten!“ Also mach kein Quatsch und geh zu den Franzosen ins Zelt!
Als Gegenteil von „fiese Möpp“, also „den mag ich nicht“, verwendet der Niederrheiner gerne:
„Dat is en Juten.“

* Ich wollt dir nochmal eben kurz erzählen
Einleitung des Niederrheiners, um zu einer weit umschriebenen Geschichte auszuholen. „Mal eben kurz“ steht dabei eigentlich für „ganz lang und wenn die anderen mich nicht unterbrechen, packe ich noch meine Lebensgeschichte mit rein“. Wenn Sie diesen Satz während der Unterhaltungen mit einem Niederrheiner hören, sollten Sie am besten wegrennen, das Weite suchen oder sich flach auf den Boden legen und die Finger in die Ohren stecken! Das hindert den Niederrheiner zwar nicht daran, seine Geschichte zu erzählen, aber Sie bekommen davon nichts mit.

* Ich bin mit dem Kopp nicht zur Schule gegangen
Wenn ein Niederrheiner auf eine Person angesprochen wird – ob diese Person dabei prominent ist oder von nebenan kommt, spielt dabei keine Rolle. Wenn er die Person nicht kennt, ist es ihm auch vollkommen Wurst, ob sie VIP oder der Kaiser von China ist. Der Niederrheiner antwortet dann mit diesem Satz:
„Sach ma, hast du dat von dem George Clooney gelesen? Der Kopp is wieder solo!“
„Na und? Kenn ich doch nicht, den George Clooney. Ich bin mit dem Kopp nicht zur Schule gegangen!“

* In dem Sack hasse aber Krinten
Der Niederrheiner benutzt diese Floskel genau dann, wenn er seine Aussage stützen möchte, so nach dem Motto:
„Da kannst du dir aber sicher sein!“ oder „Genauso war dat!“

* Juuuut!
Energischer Ausdruck der Zustimmung. Der Niederrheiner drückt damit aus, dass er dir zu tausend Prozent beipflichtet. Der Niederrheiner spricht das „Juuuut“ aber auch öfters mal langgezogen aus, wenn er ertappt ist oder er jemandem Recht geben muss. Beispiel:
„Ja juuut, da war ich in der Ausdrucksweise vielleicht en bisscken zu grob. Da hasse Recht!“

* Kumma!
Der Niederrheiner ist ja vom Herzen Entdecker und Wanderer in seiner Heimat und niederrheinischen Umgebung. Er liebt es, die wundervolle Natur um den Rhein zu erobern und zu erforschen. Wenn er dann was Schönes entdeckt hat, ruft er freudig aus: „Kumma! Siehste dat?“ und zeigt mit dem Finger oder dem Regenschirm auf seine Entdeckung. Da geht ihm das Herz bei auf. Also manche Dinge sind wirklich so groß, die kann man eigentlich unmöglich übersehen, z. B. eine 75 Meter lange Rheinfähre, die bis oben hin mit Neuwagen beladen ist. Aber der Niederrheiner steht davor und sagt: „Kumma!“ und zeigt mit dem Regenschirm auf die 75 Meter lange Fähre. „Siehste dat?“
Meine Frau regt sich auch immer auf, wenn ich „Kumma!“ sage.
Neulich waren wir auf Gran Canaria und kommen endlich am Strand an, als sich vor uns die Dünen von Maspalomas auftun. Und aus mir schießt es heraus:
„Kumma! Siehste dat? Is dat nich schön?“ Meine Frau sagt:
„Dünen? Nee. Ich seh keine Dünen. Wo denn?
Jetzt sag mal ernsthaft, wieso sollte ich diese sieben Kilometer lange Dünenlandschaft aus zehn Meter Entfernung nicht erkennen? Hallo? Ich sehe gerade nix anderes als Düne, weder Himmel noch Meer, nur Düne. Da ne Düne, hier ne Düne. Dünen links, Dünen rechts!“ Sach ich:
„Wieso bist du denn so passiv-aggressiv?“
„Ich bin nicht passiv-aggressiv. Ich bin geladen, und zwar aktiv-aggressiv. Den ganzen Tag dieses Kumma. Kumma hier, Kumma da und siehste dat? Jetzt sind wir hier kurz vor Afrika und irgendwie is alles doch wie am Niederrhein, dat macht mich bekloppt! Ich habe jetzt aber Urlaub vom Niederrhein!“
Dieser Ausruf scheint dem Niederrheiner im Blut zu liegen. Ihn zu unterdrücken fällt schwer.

* Siehsse!
Der Universalbegriff, den alle Klugscheißer und Besserwisser vom Niederrhein verwenden. „Siehsse!“ steht für: „Ich habe recht gehabt und du nicht! ÄTSCH! Hab ich dir doch gleich gesagt, aber du hörst ja nicht! ÄTSCH!“
Vor allem der Typus Niederrheinus D, der Besserwisser und Thekenstreiter, der kleine Narzisst und Halbwisser, greift permanent auf dieses sich tief ins Mark bohrende Wort zurück.
Ein Beispiel:
Ich wollte mich neulich mit meinen Kumpels in Düsseldorf treffen und stehe am Bahnhof in Duisburg. Aus der Masse an Menschen stachen Heide und Fred hervor. Heide kommandierte ihren Fred im selbstbewussten Ton von links nach rechts über das Bahnhofsgleis. „Fred hol mal! Fred, kannze mal eben? Fred, hörst du dat nicht? Fred, warum klappt dat nicht? Fred, tust du mal? Fred, mach mal! Fred!“
Immer wieder Fred, Fred und nochmal Fred. Und in einer Lautstärke! Ich denke noch, meine Güte, Fred, wenn ich jetzt einen Revolver dabei hätte, dann würde ich dich jetzt einfach erlösen. Der Fred lief da wie ein angeschossenes Reh durch die Menschenmasse, Schweiß auf der Stirn und die Ohren blutig. Die Koffer von links nach rechts und dann noch Kaffee holen. Schlicht gesagt, eine arme Socke bei dieser charmanten Ehefrau. Dann ertönte der Lautsprecher und eine Stimme verkündete, dass der Rhein-Ruhr-Express nach Düsseldorf Verspätung meldete. Das reichte, um Heide in Panik zu versetzen. „Fred, ruf doch mal in Düsseldorf an, dass wir später kommen! Fred, sollen wir nicht mit dem Bus fahren? Fred!“ Und Fred musste jetzt reagieren, ob er wollte oder nicht. Fred wollte wahrscheinlich einfach nur seine Ruhe haben, bis der Zug eintreffen würde, aber Heide sah das völlig anders. „Gut, Heide, ich geh jetzt runter und schau mir auf der Tafel an, ob es nicht noch kurzfristig andere Bahnverbindungen gibt!“
„Nee, Fred! Wie willst du dat denn schaffen? Wenn der Express kommt, stehst du dann unten gemütlich an der Tafel und ich hier oben, oder wat?“
„Dat schaff ich schon!“
„Nee, Fred! Dat is zu knapp! Wenn ich dir dat sach!“
„Wenn wir dat jetzt noch ne Minute länger ausdiskutieren, dann is dat wirklich zu knapp!“
„Also Fred, bis du unten bist, ist eine Minute vergangen, auf die Tafel gucken zwei Minuten, wieder hoch drei Minuten, und dann müssen wir noch dat Gepäck einladen.
Du brauchst fünf Minuten zum Gucken und der Zug kommt in vier Minuten. Wie soll dat gehen?“
„Heide! Dat sind doch nur ungefähre Angaben. In Wirklichkeit kommt der Zug doch immer später als von der Bahn angegeben!“
Ich stand einfach nur da und beobachtete die kuriose Szenerie. Ein herrliches Bild, die beiden! Fred hatte letztendlich die Schnauze voll und ging ein wenig trotzig runter ins Bahnhofsgebäude. Er wollte die Gelegenheit nutzen, dem Giftzahn eins auszuwischen. Jetzt fuhr aber dummerweise in dem Moment, als Fred unten an der Tafel stand, oben der Rhein-Ruhr-Express in den Bahnhof ein. Ich war auch en bisscken knorrig, weil ich ja eigentlich auch wollte, datt die Alte mal eins vor den Bug kriegt. In den Zug einsteigen konnte ich nicht, dafür war dieses Drama einfach zu spannend!
„FRED, NU MACH!“, knallte es über die Gleise bis unten in die Tunnelschänke, sodass die Rentner an der Theke vor Schreck ihr Pilscken verschütteten. Aber es war ja gar nicht ihre eigene Frau.
Fred zuckte zusammen und machte fast einen Überschlag, stürmte die Treppen im Sprung nach oben und hechtete – James-Bond-artig – auf die sich schließende Waggontüre zu. Aber zu spät. Die Türen schlossen, der Zug fuhr ab. Fred stand verdutzt und gelähmt auf dem einsamen Gleis, ich stand hinter ihm, ebenfalls gelähmt. Der Zug fuhr aus und die Fenster der ersten Klasse zogen vorbei. Man sah noch halbgeöffnete Fenster und schemenhafte Figuren, die bequem in den warmen Sitzen saßen. Und während Fred den Waggons traurig und entsetzt nachblickte, hallte eine echohafte Stimme aus einem der Erste-Klasse-Fenster. Es war nur ein Wort, es traf uns aber beide hart: „Siehsse!“

* … oder wat?
Wir würden dieses Anhängsel auf Hochdeutsch als Nachfrage
….......mehr im Buch


Burnout findet häufig im Berufsleben statt, hat aber in der Entstehung auch sehr viel mit alltäglicher Überbelastung zu tun. Zu diesem Zweck schauen wir uns eine niederrheinische Großfamilie aus Orsoy an. Familienoberhaupt ist dort Werner, der mit seinen drei impulsiven Kindern und seiner attraktiven Frau in einem Einfamilienhaus lebt. Heute ist Pizzatag, also gilt es, sich für die Pizzasorte zu entscheiden, was nicht immer stressfrei und ohne Komplikationen abläuft:



Das Himmel und Äed Gedicht

Und ich sach noch für n Werner
Werneeer, sach ich
Mach doch einfach Himmel und Äd
Ich war nämlich zum Krankenbesuch nach em Werner
Der konnt nicht arbeiten wegen Rücken
Also bin ich da noch schnell mal hin
Zu seinem wohl Entzücken

Die ganze Familie war da
Und die Gaby sacht für n Werner
Werneeer, sacht se
Ich hab Bock auf ne Pizza
Gaby is die Frau vonne Werner
Lass uns doch bei de Luigi bestellen
So ne große Family-Pizza Nizza

Nee, nich die Nizza, sacht die Anne für n Werner
Werneeer, sacht se
Da sind Zwiebeln drauf
Anne is die Tochter vonne Werner
Da muss ich immer furchtbar von pupen
Und nachts nehmen dann schlimme Dinge ihren Lauf

Und Werner winkt nur ab

Werneeer, sach ich noch
Mach doch einfach Himmel und Aed
Brauchste die Kartoffelkes nur mit Salz kochen und zu Püree stampfen
Und dann en Stückchen Butter unterrühren
Dabei muss dat Ganze aber dampfen

Aber da sacht der Chrissi für n Werner
Werneeer, sacht er
Dann lass uns doch die Diavolo bestellen
Chrissi is der Erstgeborene vonne Werner
Mit Paprikas grün und Peperoni rot
Oben gelb mit Knoblauchöl
Dat gibt nen feurig schönes Abendbrot
Nee, nich die Diavolo, sacht die Gaby für n Werner
Werneeer, sacht se
Da krieg ich am Hals immer so ne roten Flecken
Gaby is ja die Frau vonne Werner
Und wat pelzig auffe Zunge
Und ich muss mich tagelang mit nem Schal bedecken

Werner hat schon Schnappatmung

Werneeer, sach ich noch
Mach doch einfach Himmel und Aed
Musse nur die Zippeln von der Haut entkleiden
Danach dann grob in Ringe trennen
Und zum Schluss die Blotwooscht fein zerschneiden

Aber da sacht der Marc für n Werner
Werneeer, sacht er
Lass uns doch nach em Luigi ne Pizza Hawaii bestellen
Marc is der jüngste Sohn vonne Werner
Schön mit Ananas gelb und Thunfisch braun
Und oben gestreut mit Oregano fein
Und wer möchte, kann sich ne Sardelle drauf haun

Nee, nich die Hawaii, sacht der Chrissi für n Werner
Werneeer, sacht er
Da krieg ich vonne Ananassäure immer sonne Sodbrennen
Chrissi ist ja der Erstgeborene vonne Werner
Und der Magensaft schwappt immer so hoch
Ich muss sonst tagelang mit Magenmalesse rumrennen

Werner explodiert gleich
Werneeer, sach ich noch
Mach doch einfach Himmel und Aed
Musste nur Püree unne Äppels miteinander verrühren
Dat alles dann mit Salz und Pfeffer gut abschmecken
Und dat Janze nur noch mit de Blotwooscht dekorieren

Werner explodiert

Jetzt is aber mal zappenduster hier im Dom
Ich glaub ich steh im Busch
Hier mit Sodbrennen und rumrennen
Hier mit roten Flecken und bedecken
Hier mit Zwiebeln drauf und Dinge ihren Lauf
Ihr könnt mich alle mal anne Täsch lecken
Ich geh jetzt schön aufn Bierchen ins Schäfchen rein
Und mach mich hier vom Acker
Ihr könnt dann gemütlich beisammen sein
Und bei de Luigi Pizza Himmel und Äed bestellen
Die is nämlich besonders lecker
Aber Himmel und Aed fresst mal schön allein
Adios muchachos, fürn Werner gibts jetzt Frikadellen!
...mehr im Buch

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Aber an dieser Stelle wieder was zum Lachen! Beschäftigen wir uns mal mit den Top-Klischees der gesunden Bevölkerung über die Psychiatrie, also die Klapse. Kinofilme und Fernsehen tun ihr Bestes, um verzerrte Bilder von psychiatrischen Einrichtungen herzustellen. Die Pfleger sind weiß gekleidet, haben Handschellen und Beruhigungsspritzen in der Tasche, um nur einige Klischees zu nennen. Schauen wir uns die Beispiele doch mal genauer an:
- Alle Pfleger und Therapeuten in der Klapse tragen Weiß, überhaupt ist in der Klapse alles weiß!
Nein! Stimmt nicht! Pfleger tragen in Kliniken oft Arbeitskleidung und Farben der Klinik, die oft neutrale Farben haben. Es gibt übrigens auch weibliche Pfleger und Therapeuten, die gerne auch mal Röcke tragen. Ergotherapeuten, Psychotherapeuten oder Psychologen tragen meistens sowieso ihre Straßenkleidung in der Klinik, sie wollen ja schließlich nicht den Zwängen der Gesellschaft unterliegen und ihre eigenen Therapieansätze widerlegen. Außerdem ist Straßenkleidung bequem, mit weitem Ausschnitt lenkt man besser die Aufmerksamkeit des Patienten auf sich, macht narzisstische Männer gefügiger und Klamotten, die nach Kneipe riechen, vermitteln emotionale Nähe!
Alles ist weiß in der Klapse! Nein, stimmt nicht! Wir haben Fenster nach draußen, bunte Bilder an der Wand und wir arbeiten auch mit schwarzafrikanischen Mitarbeitern zusammen!

- Bei Männern sind die Therapiezeiten kürzer als bei Frauen!
Das stimmt! Wenn es in der tiefenpsychologischen Behandlung darum geht, sich geistig in die Kindheit zu versetzen, sind die Männer fast schon da!

- In der Klapse laufen alle mit Beruhigungsspritzen rum!
Falsch! In den eigenen Taschen haben Pflegepersonal und Ärzteteam immer nur etwas zur eigenen Beruhigung dabei, z. B. ein Eierlikörchen oder Vodkachen. Likörchen regen auch die Kreativität für Therapieinhalte an, nur Chefärzte haben große Flaschen in der Minibar in ihrem Büro gebunkert.
Das Thema bringt uns aber auch schon zu unserem nächsten Klischee:

- Ärzte und Therapeuten sind alle Alkoholiker!
Übertrieben! Ist doch klar, dass es sich alkoholisiert besser operieren lässt oder stelle du dich mal bei einer Herz-OP vor!
Neulich war ich beim Amtsarzt.....mehr im Buch

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Hier bei uns am Niederrhein

Bernie schließt die Kneipe anne Ecke auf
Er wollte nie wech von Vluyn
Auch wenn die Zeiten härter sind
Die Leute kommen bei ihm schwatten
Im Blaumann und mit Ruß befleckt
Trinkt jedermann ein letztes Bier
Egal woher du kommst und wat de tust
Am Tresen is noch Platz
Du kriechst ein kleines Lächeln
Und et bleibt auch immer Zeit
Für nen Schulterschlag und Glückauf

Ich hab pinne inne Rücken
Vertellt der Willy anne Tresen
Er schleppt den janzen Tach die Ziegel hoch
Wat mut dat mut
Ruft der Heinzi durch die Pinte
Willy nickt nur still zurück
Und denkt sich noch
Heut spar ich mir dat Bücken



Wo sich Rhein und Ruhr begaffen
Und die Menschen noch mit Herz und Schnauze leben
Wo der Strom des Flusses stetig fließt
Da lebt und liebt der Niederrhein
Dessen Menschen mit dreckiger Hand
Und echter Maloche
Gegen die Sorgen des Lebens schaffen

Hier bei uns am Niederrhein
Da gib et noch echte Typen
Hier bei uns am Niederrhein
Sitz das Herz am rechten Fleck
Hier bei uns am Niederrhein
Da is dat Leben noch lebenswert
Kannze mir erzählen
Wat de willst

In Kevelaer am Niederrhein
Marschiert Hanne anne Kapell vorbei
Die Tüten sind voll
Die Gedanken schweifen ab
Als sie von der Rosie
So vonne Seite anquatscht wird
Hömma, Hilde
Hasse dat vom Peter jehört
Da machste nix dran, Hilde
Der arme Peter is hinüber
Nee, nee, Rosi
Da hasse recht
Da kannze auch nix dran machen
Et kommt, wie et kommt
Dat Leven is schwer
Dat sach ich dir aber, Rosi
Jeder Tag ist nur ein Atemzug
Und jenauso schnell vergeht das Sein

Kalle dreht seine Runde im Hülser Bruch
Fast wie jeden Morgen
Tau schlägt nieder
Die Sonne durchtränkt Nebel
Die Luft riecht nach Rhein
Und jeder Baum erzählt eine Anekdote
Der Hund zieht an der Leine
Aber Kalle bleibt kurz stehen
Betrachtet
Nur einen Augenblick lang
Das kleine, schöne Niederrhein
Sein Herz schlägt hoch
Er atmet ein
Siehsse, Kalle
Schon schön hier
Denkt er sich
Und gibt der Leine nach

Wo sich Rhein und Ruhr begaffen
Und die Menschen noch mit Herz und Schnauze leben
Wo der Strom des Flusses stetig fließt
Da lebt und liebt der Niederrhein
Dessen Menschen mit dreckiger Hand
Und echter Maloche
Gegen die Sorgen des Lebens schaffen

Hier bei uns am Niederrhein
Da gibt et noch echte Typen
Hier bei uns am Niederrhein
Fließt Mensch und Strom in einem Takt
Hier bei uns am Niederrhein
Findet man das Große im Kleinen
Und weiße wat?
Dat is schön so!
Kannze mir erzählen
Wat de willst



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Spruch:

„Der Niederrheiner ernährt sich fast ausschließlich von Makkaroni, weil er so beim Essen ungestört durch die Löcher weiter reden kann!“

Steffen Kersken, 2006




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Aber an dieser Stelle wieder was zum Lachen! Beschäftigen wir uns mal mit den Top-Klischees der gesunden Bevölkerung über die Psychiatrie, also die Klapse. Kinofilme und Fernsehen tun ihr Bestes, um verzerrte Bilder von psychiatrischen Einrichtungen herzustellen. Die Pfleger sind weiß gekleidet, haben Handschellen und Beruhigungsspritzen in der Tasche, um nur einige Klischees zu nennen. Schauen wir uns die Beispiele doch mal genauer an:
- Alle Pfleger und Therapeuten in der Klapse tragen Weiß, überhaupt ist in der Klapse alles weiß!
Nein! Stimmt nicht! Pfleger tragen in Kliniken oft Arbeitskleidung und Farben der Klinik, die oft neutrale Farben haben. Es gibt übrigens auch weibliche Pfleger und Therapeuten, die gerne auch mal Röcke tragen. Ergotherapeuten, Psychotherapeuten oder Psychologen tragen meistens sowieso ihre Straßenkleidung in der Klinik, sie wollen ja schließlich nicht den Zwängen der Gesellschaft unterliegen und ihre eigenen Therapieansätze widerlegen. Außerdem ist Straßenkleidung bequem, mit weitem Ausschnitt lenkt man besser die Aufmerksamkeit des Patienten auf sich, macht narzisstische Männer gefügiger und Klamotten, die nach Kneipe riechen, vermitteln emotionale Nähe!
Alles ist weiß in der Klapse! Nein, stimmt nicht! Wir haben Fenster nach draußen, bunte Bilder an der Wand und wir arbeiten auch mit schwarzafrikanischen Mitarbeitern zusammen!

- Bei Männern sind die Therapiezeiten kürzer als bei Frauen!
Das stimmt! Wenn es in der tiefenpsychologischen Behandlung darum geht, sich geistig in die Kindheit zu versetzen, sind die Männer fast schon da!

- In der Klapse laufen alle mit Beruhigungsspritzen rum!
Falsch! In den eigenen Taschen haben Pflegepersonal und Ärzteteam immer nur etwas zur eigenen Beruhigung dabei, z. B. ein Eierlikörchen oder Vodkachen. Likörchen regen auch die Kreativität für Therapieinhalte an, nur Chefärzte haben große Flaschen in der Minibar in ihrem Büro gebunkert.
Das Thema bringt uns aber auch schon zu unserem nächsten Klischee:

- Ärzte und Therapeuten sind alle Alkoholiker!
Übertrieben! Ist doch klar, dass es sich alkoholisiert besser operieren lässt oder stelle du dich mal bei einer Herz-OP vor!
Neulich war ich beim Amtsarzt. Ja, alle Therapeuten und Psychologen werden auf Gesundheit und Fitness geprüft! Natürlich zum Schutz der Patienten. Der Amtsarzt sagte nach der Untersuchung zu mir:
„Ich kann leider die Ursache für Ihren hohen Cholesterinspiegel nicht finden. Aber vielleicht liegt es am Alkohol!“
„Gut!“, sach ich zum Amtsarzt. „Dann komm ich einfach nochmal her, wenn Sie wieder nüchtern sind!“
Ich habe mir dann die Woche darauf einen neuen Termin geben lassen, und tatsächlich waren die Cholesterinwerte verbessert!

- Bei Therapeuten und Kliniken gibt es irre Wartezeiten, und als Patient kommt man nur mit Vitamin B an eine Behandlung!
Stimmt durchaus! Bei Psychologen ohne Wartezeiten solltest du dich fragen: Warum ist das so? Entweder hat er gerade eine neue Praxis eröffnet oder er ist einfach nur schlecht in dem, was er macht! Wenn du keine Bilder oder Couch in der Praxis siehst, dann hat er sie neu eröffnet und geht mit deinem Geld im Anschluss zu Ikea shoppen. In Rehakliniken gibt es klare Aufnahmerituale:
Ein Patient ruft in einer Rehaklinik in Weeze an:
„Wie sind denn Ihre Aufnahmekriterien für einen Aufenthalt?“
„Wir füllen eine Badewanne mit Wasser, geben dem Patienten einen Eierlöffel, ein Glas und einen Eimer. Er soll nun die Wanne leeren!“
„Verstehe! Ein gesunder Mensch würde wahrscheinlich den Eimer nehmen! Nicht wahr?“ „Nein! Ein gesunder Mensch würde den Stöpsel ziehen! Balkon oder Parterre?“

- Frauen verlieben sich immer in ihren Therapeuten!
Stimmt! Ein Fallbeispiel:
„Doktor Specht, nun küssen Sie mich doch endlich!“
„Gute Frau! Als Psychologe und nach den klinischen Regeln dürfte ich eigentlich nicht mal neben Ihnen liegen!“

- Therapeuten und Psychologen raten Patienten immer, sich vom Lebenspartner zu trennen!
Liebe Patientinnen und Patienten, wenn ihr von kranken Beziehungen zu Bekloppten noch nicht die Schnauze voll habt, dann trennt euch einfach von eurem Partner und erfüllt das vorherige Klischee, indem ihr euch in euren Therapeuten verliebt!

- Dat sind doch alles so neue Modeerkrankungen, womit die Kasse machen!
Nein! Die Methoden der Diagnostik haben sich verbessert, Erkrankungen sind genauer erforscht, wodurch man Erkrankungen differenzierter erkennt und ihre Anzahl dadurch grundsätzlich steigt. Ein Beispiel, die Hyperaktivität von Kindern als Modediagnose:
Sie entsteht unter anderem durch Hubschrauber-Eltern, die für Reizüberflutung bei Kindern sorgen, die oftmals selber schon genug Schwierigkeiten haben, die Überflut an Reizen des Alltags zu filtern:
Die Eltern machen sich Sorgen um Oskar, weil ihr erstes Kind so gut wie gar nicht spricht, aber im Kindergarten alles kurz und klein schlägt. Auch der Kinderpsychologe konnte nicht helfen. Nach langem Hin und Her sitzt Oskar beim Abendessen und spricht urplötzlich: „Dat Essen is kalt!“
Die Eltern sind ganz freudig erregt und die Mutter geht auf Oskar ein: „Du sprichst ja so schön, warum hast du denn nicht schon vorher was gesagt?“ „Wieso?“, sacht Oskar. „Bis jetzt war mit dem Essen doch alles in Ordnung!“
- Beim Psychiater liegt man nur auf der Couch!
Nein! Das ist nur bei Traumreisen oder tiefenpsychologischen Ansätzen der Fall. Im Regelfall begrüßt der Therapeut auch seine Patienten im Stehen, bevor er sie auf der Couch flach legt!
Beim Psychoanalytiker klagt der Patient:
„Ich kriege diese Zwangsvorstellungen einfach nicht los. Jetzt denke ich noch, ich sei ein Hund! Ich weiß überhaupt nicht, wo dat herkommt!“
„Das kriegen wir beide schon raus, woran das liegt. Jetzt fahren Sie erst mal runter, sie hecheln ja schon vor lauter Stresssymptomatik. Wie wäre es, wenn Sie sich erst mal hier auf die Couch legen!“
„Mein Frauchen hat mir die Couch doch verboten!“

- Psychologen machen immer so Testungen, wo man am Ende als Idiot dasteht!
Korrekt! Ein triebgesteuerter Patient sitzt in der psychologischen Voruntersuchung. Der Psychologe wirft im Hintergrund mit dem Projektor Bilder an die Wand.
Zuerst ein Dreieck. „Woran denken Sie, wenn Sie das Dreieck sehen?“ „An Liebemachen!“ Im Hintergrund erscheint ein Kreis. „Und woran denken Sie bei dem Bild?“ „Auch an Liebemachen!“ Zu guter Letzt erscheint ein Viereck. „Und bei diesem Bild, was geht da in Ihnen vor?“ „Liebemachen!“
„Ihre Zwangsgedanken kreisen immer nur um Geschlechtsverkehr!“ „Wie bitte? Wer wirft denn hier permanent diesen Schweinekram an die Wand!“
...mehr im Buch


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