Steffen Kersken


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* Niederrhein- isches Lexikon

Neue Bücher und Texte > * Buch 2013: Da machste nix dran!

Niederrheinisches Lexikon (Alphabetisch geordnet)


Im Sprachlexikon findet ihr die Begriffe, die im Buch mit einem „*“ gekennzeichnet sind, welche ihr dann gerne hier nachschlagen könnt:

*A Watt
Heißt auf Hochdeutsch: Was? Nein! Ich doch nicht! Dieser Ausdruck beschreibt energisches Intervenieren. Der Niederrheiner unterstreicht damit seine Gegenposition. Das Gegenteil von
„A watt!“ ist „Juuuut!“.

*Balch
Anderes Wort für Bauch, Leib.

*Sag ma bist du bekloppt, oder Watt?
Diese Frage wird impliziert, sobald ein Niederrheiner etwas zerstört, irgendwo hineinfällt, oder etwas herunter fällt, bzw. er etwas hinunter wirft, oder etwas schief läuft. Der Ausruf erfolgt nicht nur bei großen, sondern auch bei klitzekleinen Missgeschicken.
Umstehende Personen reagieren auf das Missgeschick mit diesem plötzlichen, energisch, lautem Ausruf. Viele nicht Niederrheiner erschrecken bei diesem plötzlichen Ausruf zu Tode, sie erleiden einen halben Herzinfarkt und denken:
„Was ist da denn schlimmes passiert? Ach so, der Typ hat nur das Glas umgeworfen. Gott sei Dank! Ich dachte schon, wer weiß was passiert ist! Land unter, Überfall, oder Explosion!
Meine Güte! Der Kopp schreit den Typen an, nur weil er das kleine Glas da umgeworfen hat!“
Dieser Ausruf muss aber laut und energisch erfolgen, und sagt nicht zwangsweise aus, dass der Ausrufer jetzt tierisch erbost, oder sauer ist. Nein, zu diesem Ausruf gehört das Laut sein, wie der Schaum auf dem Pils. Dat is einfach so!

*Dat is Ansichtssache
Wenn dem Niederrheiner eindeutig nachgewiesen ist, dass er definitiv kein Recht hat, also absolut Unrecht hat, dann verwendet er die Floskel „Dat is Ansichtssache!“, um seinem Gegenüber nicht direkt Recht geben zu müssen. Der Niederrheiner hasst es nämlich im Unrecht zu sein.
„Dat is Ansichtssache!“ ist das Pseudonym für „Stimmt, da lag ich Falsch!“. Diskutieren zwei Niederrheiner in einer Kneipe über ein Streitthema, dann endet die Diskussion meistens mit dieser Floskel. Selbst wenn einer der Streithähne eine Urkunde auf den Tresen legt, die vom Bürgermeister höchst persönlich beglaubigt ist, und eindeutig beweist, dass der andere falsch liegt, so schiebt der Ertappte die Urkunde weg und sacht:
„Dat is Ansichtssache!“
Beide Parteien haben so das Gefühl recht zu haben, und können mehr oder weniger friedlich, ihr Bier weiter trinken.

*Dat hätt mir auch en Esel mit längeren Ohren sagen können!
Reaktion eines Niederrheiners auf eine doofe, unpassende Antwort, die er sich auch auf diese Art hätte selbst beantworten können:
„Wat trägst du denn da für komische Dinger?“ (Die Schuhmarke ist gemeint)
„Ich trage Schuhe!“
„Ja, dat hät mir auch en Esel mit längeren Ohren sagen können!“

*Da machste nix dran!
Kein anderer Satz drückt die niederrheinische Gelassenheit so gut aus, wie diese Floskel. Dieser Satz ist am Niederrhein weit verbreitet, und er drückt einen endlichen Zustand aus, den der Niederrheiner versucht zu erfassen und zu verarbeiten. Ein Niederrheiner verwendet ihn, wenn etwas kaputt gegangen ist, jemand verstorben ist, schwer krank geworden ist, und sonst etwas Schlimmes, oder auch weniger Schlimmes passiert ist. Die Menschen drücken damit ihr Beileid aus, geben Zustimmung, und sie zeigen Mitgefühl.
„Hasse gehört? Der Peter Keller is mit dem Moped gestürzt!“
„A watt? Schrecklich! Und?“
„Tod! Schädelbruch! Besoffen vor den Baum jefahren!“
„Gotteswillen, wie traurig!“, kurzes Schweigen.
„Da machste nix dran!“
„Nee, da machste auch nix dran!“, kurzes Schweigen.
„Ich hab schon immer gesacht, dat der sich noch Tod säuft!“
„Ja, da hasse recht. Dat hasse schon immer jesacht! Ganz koscher war der nicht, der Peter!“
„Schlimm!“, kurzes Schweigen.
„Machste nix dran!“
„Nee, nee. Kannze nix dran machen!“
„Dat Wetter is aber gerade auch wieder fies geworden!“
„Gestern schien schon noch die Sonne, heute is et wieder an Dröppeln!“
„Machste nix dran!“
„Nee!“.

Ich brütete beim Schreiben der Texte auch über einen passenden Titel für dieses Buch , und „Über die Psychologie des Niederrheiners“ wäre ein passender Name für ein psychotherapeutisches Sachbuch gewesen, aber dieses Buch sollte ja kein reines, therapeutisches Sachbuch werden, als ich während der Grübelphase einen Anruf von meinem Kumpel Jörg bekam:
„Hömma Steffen! Ich hab mir doch jetzt dieses luxoriöse Rennrad von Kellys gekauft, weiße! Wo du kaum noch schalten muss, 24 Gang, und du darfst nur auf Asphalt fahren, verstehsse? Ich bin jetzt schon den janzen Niederrhein rauf und runner jefahren. Ich sach dir Steffen, astrein! Dat geht ab wie Pommes! Ich trag da auch Schutzkleidung und son Gedöns, weiße, da muss du ja aufpassen. Ich hatte mir da für den Lenker jetzt son Halter gekauft, dat is hoch modern, weiße, da konnte ich dann mein neues iPhone rein klemmen, weiße, dat wat ich von der Sonja zum Geburtstag geschenkt gekriegt habe. Ich konnte dann Route, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, und KM/H während der Fahrt einfach so ablesen! Hömma, ich bin gefahren und gefahren!“
„Schön!“, sagte ich.
„Ja. Ich war gestern auch unterwegs, weiße! Ich bin von Schwafheim los nach Büderich, Walsum, und wollte gerade Richtung Rees weiter und bin dat Stück auf die Bundestraße B8 jefahren. Mein Rad hatte auch schon gute 50 KM/H drauf, als ich voll in son Schlagloch geschlagen bin.“
„Schrecklich!“, sagte ich.
„Jo! Ich konnt dat Ding gerade noch so auf der B8 halten, und mich auf dem Sattel pressen, aber mein neues iPhone is mit einem lauten Scheppern vom Lenker geschleudert worden!“
„A wat!“
„Ja! Dat Ding flog zehn Meter über die rechte Spur drüber und direkt auf die Gegenfahrbahn!“
„Oh je. Dat Teil hat aber hoffentlich niemanden getroffen?“
„Nee, dat nicht! Aber ein achtzehn Tonnen LKW, bis oben hin voll beladen mit Mastschweinen, kam in dem Moment an mir vorbei gerauscht und bretterte direkt über mein iPhone 5!“
„Dat jib et doch nicht!“, war ich schockiert!
„Ja! Dat ganze Ding war in Kleinstteile zerlegt. Ich hab dat janze Zeug dann auf der B8 eingesammelt und heut morgen zu iPhone geschickt. Die Köppe waren irgendwie amüsiert, weil ich denen natürlich von dem Schweinetransporter auf der B8 erzählt habe, aber zumindest gucken sie jetzt, ob sie die Daten noch retten können.“
„Nee, nee Jörg. Womit telefonierst du denn jetzt gerade?“
„Mit dem alten Nokia 5110 von ne Mudder! Ich sag dir, kannze ruck zuck tippen, hasse Akku ohne Ende!“
„Ach was!“
„Jo! iPhone wollte mir jetzt noch en gebrauchtes Handy schicken, aber ich hab gesagt:
Braucht ihr nich. Dat alte Nokia von ne Mudder is besser! Die Daten haben sie aber dann doch gerettet!“, kurzes Schweigen.
„Gut das dir nix passiert is!“, kurzes Schweigen.
„Steffen. Da machste nix dran!“
„Nee, da machste auch nix dran!“
Der Titel war geboren!

*Ganz wat Feines, sach ich dir!
Der Niederrheiner ist ein Genussmensch, und er gibt den anderen gerne etwas Leckeres ab, wobei er diesen Satz dann immer unterstützend verwendet. Vor allem, wenn es sich dabei um Feinkost handelt, oder um etwas sehr Teures, dann benutzt er diese Floskel.
„Kumma du kriegst auch en Stück Püfferkes! Dat is gaaanz wat Feines! Joode Honger!“

*Ich glaub ich steh im Busch
Ein Ausdruck des Verdutzt sein. Wenn ein Niederrheiner positiv oder negativ überrascht wurde, dann ruft er diesen Ausdruck des Entsetzens oder Verzückens aus.
„Maike und ich haben vierzehn Tage Marokko gebucht. Total günstig! Wir fahren nämlich von Duisburg aus mit dem Bus dahin. Wir sind dann zwar vier Tage unterwegs, aber et kost dafür nix!“
„Sach ma seid ihr bekloppt, oder watt? Mit dem Bus nach Marokko? Ich glaub ich steh im Busch!“

*Ein Kopp und ein Arsch
Niederrheinischer Ausdruck für ein eingespieltes Team, oder ein sehr verliebtes Pärchen.
Der Niederrheiner beschreibt damit eine Einheit, eine funktionierende Zusammenarbeit.
„Kumma die beiden da, die sind ein Kopp und ein Arsch!“

*Fiese Möpp
Der Universalbegriff für „schlecht“, oder „doof“. Der Begriff wird häufig beim Wetter verwendet:
„Wat is heute wieder fürn fiese Möpp Wetter!“, oder auch gern bei Personen, die sie nicht mögen:
„Dieser Freund von ne Michaela, da der Bauarbeiter aus Kevelaer da, dat is aber en fiser Möpp, der Kerl. Nee du, dat sach ich dir aber.“
Im Zusammenhang mit „schlecht“ auch gern verwendet: Fisimatenten.
Der Satz „Mach mal bloß keine Fisimatenten“ stammt aus dem Mittelalter, und soll laut alt, patriotischer Erzählungen, aus der französischen Besatzungszeit stammen. Französische Soldaten sollen Frauen mit folgendem Satz in ihr Zelt gelockt haben:
„Visitez ma tente!“, frei übersetzt heißt es, „Besuchen Sie mein Zelt!“.
Wenn für Frauen abendlicher Ausgang anstand, wurde ihnen deshalb etwas mit auf dem Weg gegeben:
„Mach aber bloß keine Fisi ma tenten!“. Als Gegenteil von „fiese Möpp“, also „den mag ich nicht“, verwendet der Niederrheiner „dat is en Juten“.

*Ich erinnere mich da noch
Menschen vom Niederrhein haben immer eine Anekdote parat, ausgelöst durch ein Stichwort in einer Unterhaltung, oder wenn sie etwas sehen. Sie erinnern sich dann an ein Erlebnis, und teilen ihren Mitmenschen die passende Anekdote dazu mit, vollkommen egal, ob dieser Mitmensch die Anekdote hören möchte, oder nicht. So kann es passieren, dass eine Unterhaltung mit einem Niederrheiner normal beginnt, und von Anekdote zu Anekdote springt, und man das Gefühl hat, „Oh Gott, von dem Kopp komm ich hier nie weg!“

*Ich wollt dir nochmal eben kurz erzählen
Einleitung des Niederrheiners um zu einer weit umschriebenen Geschichte auszuholen. „Mal eben kurz“, steht dabei eigentlich für „ganz lang und wenn die anderen mich nicht unterbrechen, packe ich noch meine Lebensgeschichte mit rein.“. Wenn sie diesen Satz während der Unterhaltungen mit einem Niederrheiner hören, sollten Sie am besten wegrennen, das Weite suchen, oder sich flach auf den Boden legen, und die Finger in die Ohren stecken! Das hindert den Niederrheiner zwar nicht daran seine Geschichte zu erzählen, aber Sie bekommen davon nichts mit.

*Ich bin mit dem Kopp nicht zur Schule gegangen
Wenn ein Niederrheiner auf eine Person angesprochen wird, ob diese Person dabei Prominent ist, oder von neben an kommt, spielt dabei keine Rolle, und er kennt diese Person nicht, und diese Person ist ihm auch vollkommen Wurst, dann antwortet er mit diesem Satz:
„Sach ma, hast du dat von dem George Clooney gelesen? Der Kopp is wieder solo!“
„Na und? Kenn ich doch nicht, den George Clooney. Ich bin mit dem Kopp nicht mit zur Schule gegangen!“.

*In dem Sack hasse aber Krinten
Der Niederrheiner benutzt diese Floskel genau dann, wenn er seine Aussage stützen möchte, so nach dem Motto:
„Da kannst du dir aber sicher sein!“, oder „Genauso war dat!“

*Juuuut!
Energischer Ausdruck der Zustimmung. Der Niederrheiner drückt damit aus, dass er dir zu tausend Prozent beipflichtet. Der Niederrheiner spricht das „Juuuut“ aber auch öfters mal langgezogen aus, wenn er ertappt ist, oder er jemanden Recht geben muss. Beispiel:
„Ja Juuut, da war ich in der Ausdrucksweise vielleicht en Biscken zu grob. Da hasse Recht!“

*Kuhuhu
Ein Niederrheinisches Fabelwesen mit Namen Albella – Bavaria, das häufig nach dem Genuss von „Danzig Spezial“ erscheint, einem Wodka Getränk aus Polen. Genetisch betrachtet, ist sie eine Mischung aus Kuh und Uhu. Ihr Fell erscheint meist Bordeauxrot, wobei das eher Typ bedingt ist. Niederrheiner sollen Alba schon in Grün Weiß gesehen haben und mit spanischem Akzent sprechend. Sie trägt eine Glocke aus Herzform um den Hals.
Alba ist eine Revolutionärin, und sie hat den Freiheitskampf der Kuhuhus gegen die Melkmaschinen angeführt. Sie erzählt oft von vergangenen Heldentaten, genauso, wie viele andere Niederrheiner von großen vergangenen Taten reden.

*Kaschemme
Am Niederrhein auch verrufenes Gasthaus genannt. Männliche niederrheinische Kneipengänger mögen es besonders gern, wenn das verrufene Gasthaus besonders verrufen und schmuddelig ist, und wenn es geht, auch gute Rockmusik darin gespielt wird. Weibliche niederrheinische Kneipengänger mögen die Kaschemme überhaupt nicht, und sie können auch nicht nachvollziehen, warum ihre Männer dahin wollen. Frauen die freiwillig eine Kaschemme besuchen sind entweder gut drauf, voll zu gedröhnt, oder sie arbeiten dort hinter der Theke.
„Kaschemme“ stammt im Übrigen aus dem Hebräischen ( Me`is = Kaschem me) und heißt schlechte Herberge. Frauen müssen ihre Männer oft aus einer Kaschemme raus zerren, loseisen, oder raus kloppen, weil diese Köppe es mal wieder übertrieben haben.
Der Niederrheiner wird manchmal aber auch einfach rausgeworfen, weil er wieder eine zu große Schnüt gehabt hat.

*Köbes
Köbes ist ein rheinischer Begriff für Kellner, und der Niederrheiner benutzt diesen Ausdruck, wenn er anderen Personen einen süffisanten Spitznamen geben möchte.
„Wo ist der Uli denn hin?“
„Der Köbes zieht wieder um die Häuser, auf den brauchst du heute nicht warten!“

* Niederrheinische Taubheit
Diese eigenwillige Ohrenerkrankung kommt besonders in den älteren Generationen des Typus Niederrheinus vor. Erkrankte leiden besonders darunter, nur dat zu verstehen, wat sie verstehen möchten! Starrsinn, Egoismus, Sturheit, oder knorrig sein, sind häufige Vorerkrankungen der niederrheinischen Taubheit! Studien haben ergeben, dass diese Erkrankung öfters beim männlichen Geschlecht auftritt.

*Niederrheinisch Orientiert
Artikulation mit Hilfe von Wortfetzen, knappen Andeutungen, nur das Nötigste. Besonders männliche Niederrheiner bevorzugen diese Form der Artikulation untereinander:
Knapp, Gefühlsbetont und Zielorientiert. Zwei vertraute Niederrheiner können auf diese Weise z.B. auf einer zwölf Stunden Autofahrt nach Prag, ohne sich auch nur ansatzweise vor der Stille des Schweigens zu schämen, eine niederrheinisch orientierte Kommunikation führen:
„Pippi?“
„Jo!“
„Nächste?“
„Jo, jo!“

*oder Watt?
Wir würden dieses Anhängsels auf Hochdeutsch als Nachfrage einfügen: “Kannst du Peter heute Anrufen, oder was?“.
Der Niederrheiner benutzt diese Floskel allerdings, neben der Nachfrage, auch zur Unterstützung einer Aussage. „oder watt?“ heißt quasi:
“Siehsse! Ich hab da mal wieder recht gehabt. Warum hörst du auch nicht auf mich?“. Er drückt mit dem Anhängsel eine Frage, und zugleich die Aussage aus:
„Ich hab Recht!“, oder „Dat hab ich dir doch jesacht!“.
Ein Beispiel:
„Gehst du immer noch mit der Alten aus? Die Süße sieht zwar gut aus, aber die will doch nur an deine Moneten, oder watt!“

---> Mehr im Buch "Da machste nix dran!"

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