Steffen Kersken


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


* Neulich beim liewen Jott

Neue Bücher und Texte > * Wat zum Schmunzeln

Neulich beim lieben Gott

Ab und zu gehe ich ja den lieben Gott in Trompet besuchen. Auf nen Käffken. Das kommt aber nicht oft vor, weil ich ja auch immer so viel zu tun habe. Ach, und der liebe Gott erst, nur Stress, der steht ja wegen dem Stress oft total neben sich. Da ist der tagelang von der Rolle und nicht ansprechbar. Da wissen die Engelchen gleich, nee, da müssen wir warten, den muss man in Ruhe lassen, der hat wieder Stress gehabt. Ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Jedenfalls geh ich dann hin und wieder mal doch vorbei, früher kam auch ab und zu der Hans-Dieter mit, aber der wohnt ja jetzt weiter weg. Die Schwägerin vom lieben Gott wohnt ja auch irgendwo ganz in der Nähe, die hat, glaub ich, die alte Wäscherei übernommen. Eigentlich darf ich das ja gar nicht erzählen, dass der liebe Gott in Trompet wohnt, das hat er mir ja mal verboten, weil dann die Leute immer gucken kommen würden. So von wegen, wie wohnt denn der eigentlich und mit wem und alles. Na ja, jedenfalls wollte ich da mal wieder auf nen Käffken reinschauen, obwohl ich fast nie Kaffee trinke, an sich nur, wenn ich beim lieben Gott zu Gast bin. Lustig ist das schon, weil der liebe Gott eigentlich auch gar kein Kaffee mag, aber ein toter Internist hat mal zu ihm gesagt, das würde das Blut dünn machen. Das würde das Wohlbefinden steigern, auch wegen dem Stress und so.
Tja, seitdem trinkt der Kaffee und die Engelchen müssen fast rund um die Uhr Plätzchen dazu backen.
Ich sehe das ja immer, wenn bei uns über Duisburg der Himmel Orange erleuchtet ist, dann backen die Engelkes wieder Plätzchen. Dann weiss ich, aha, der liebe Gott trinkt wieder Käffken- wegen der Durchblutung. Da bin ich also mal schnell von Oestrum rüber, wann war das, letzten Freitag. Genau, das weiss ich so genau, weil mein Vatter an dem Tag noch Altherrentreffen hatte.
Da sitzt der da ganz bedröppelt in seinem Wolkenwohnzimmer und schaufelt sich den Kaffee rein.

Ja, Steffen alter Junge, schön dat de mal wieder rum kommst. Lang nicht gesehen, du. Jotteswillen, wat bist du gewachsen, hamm wir uns so lange nich mehr jesehen?

Ja grüss dich, liewe Jott. Aber wat guckst du denn so bedröppelt drein.
Is wieder wat schiefgelaufen?

Ich kann dir sagen, aber setz dich erst mal hin. Trinks auch en Käffken? Is gesund!

Aber nur einen. Wieder der Stress, nicht wahr? Nicht das du noch en Geschwür kriegst, oder so wat ähnliches. Dat wür dir gerade noch fehlen, bei deinem Terminkalender

Ich kann dir sagen, wenn et nur dat wäre. Engelkes, bringt mal de Plätzckes, wir hamm nen Jast.

Schiess mal los.

Ja, ich krieg hier zu viel. Et is gar nicht der Stress, der stresst. Die Leute hier machen mich fix und feddig.

Ach was.

Ja früher ging dat noch alles, ach, wat war dat noch harmlos. Da hatt ich hier im Garten ne`n paar
Pharisäer und Patrizier rumflitzen, mehr auch nicht. Die haben sich hier noch ein Paar Jahre religiös bekämpft und mehrfach verraten, aber dat war et dann auch. Gut, die Römer waren auch en Biscken überdreht, so von wegen Weltherrschaft und son Gedöns. Aber die sind dann auch ratz fatz still geworden, als dann so ein Alexander antanzte, oder so ein Napoleon. Die haben ja gleich ihre Elefanten mitgebracht.

Ach was.

Dat ging dann nachher auch alles. Die haben hier ja auch alles gekriegt, wat se wollten, da hörte dann das Streben schnell auf. Glaub mal. Aber mit der Zeit wurd dat hier immer schlimmer, wenn ich überlege, wat hier alles so aufgekreuzt ist.
Germanen und Tortonen, revolutionäre Franzosen und Norweger- die haben hier erst mal alles kurz und klein geschlagen. Total besoffen, diese Wikinger. Gut, lustig waren se ja, aber so aggressiv dabei.

Unerhört

Ja, aber dat ging noch alles wunderbar. Mit denen hatten sich die Engelchen beschäftigt, da ging dat dann alles nachher. Sogar die Deutschen haben sich hier eingelebt. Zuerst wollten die ja gar nicht die Uniformen ausziehen.

Ach was

Ja, die Offiziere waren am schlimmsten. So von wegen, der Krieg ist noch nicht vorbei und so. Aber als dann dieser Adolf kam, dieser Schnösel, da wurd dat ganze hier schlagartig ruhiger, weil die auf einmal sahen, dat der freiwillig abgetreten war.
Zwar kamen dann die ganzen Juden und ich sag dir, dat gab ne Diskutiererrei hier im Garten.

Ich kann es mir denken

Ich sag dir du. Ich hab nur gedacht, jetzt haste aber Driet am stecken. Aber dat ging ja auch noch alles irgendwie gut. Ich hab ja dann ein Schachturnier veranstaltet. Wegen der Diskutiererrei und dem Machtgehabe, verstehst de?
Bis die mal nen Sieger hatten, ach, da vergingen Jahrzehnte und da hatte sich die Masse auch schon wieder beruhigt gehabt. Jedenfalls, zu Karneval sind die alten Feldherrnjacken vom Paulus, und so, der absolute Renner, vor allem bei denen aus dem Osten. Aber dat darf man ja eigentlich nicht verraten. Sonst kommt ja die Geschichte durcheinander, wenn sich auf einmal alle verstehen.

Ach

Alles halb so wild, Steffen. Alles Routinearbeit. Aber wat jetzt so alles hier auftaucht, ich sag et dir, da drehst du durch. Musse nur mal hier aus dem Fenster in den Garten gucken.
Guck da.

Ach was

Ja, der Türke streitet mit dem Griechen, ob dat Döner besser is, als dat Gyros. Und drüben, der Israeli mit dem Palästinenser- welcher Bart wie lang und in welche Himmelsrichtung getragen werden muss.
Dat schlimme is, die waren früher Nachbarn, haben sich aber fast zeitgleich in die Luft gesprengt.
Oder hier drüben, der Amerikaner da, der die ganze Zeit dat Öl von dem Iraker klauen will. Und dahinter läuft die ganze Zeit dieser Taliban mit seinem Turban, um Waffen von dem Amerikaner zu kaufen.

Unglaublich

Und dat sind nur ein paar Konsorten, ich sag dir, wat momentan hier so rumläuft, dat passt auf keinen Deckel. Russen, afrikanische Bürgerkämpfer, Mälizen und Rebellen, irische Protestanten und Terroristen aus dem Morgenland, ach weiss der Geier. Und alle haben irgendwat zu sagen und zu melden!

Ich glaub, du brauchst mal wieder Urlaub. Ist ja schlimm hier bei dir, also ich möchte dat nicht auf Dauer haben!
Urlaub wär mal wieder schön. Könnt ich ja mal wieder meinen Onkel in Kuba besuchen, der macht doch seit drei Jahren auf Rente. Aber als wenn dat alles noch nicht genug wär, hängen mir jetzt auch schon die ganzen verstorbenen Christen im Nacken.

Ach was

Ja, die Leute in den Kirchen hätten letztes Weihnachten zu wenig christliche Wünsche und Gedanken gehabt. Ich solle doch bitte die Konsequenzen aus dieser politischen Misere ziehen. Ja, das wäre doch quasi ein Skandal und ich wäre als Oberchef verantwortlich für den Driet.

Ach nein

Ich weiss jetzt auch überhaupt nicht, wat ich machen soll.
Abdanken geht ja nicht

Nee, um Jotteswillen, dat gäb ja nur Chaos. Aber Schach kann ich mit denen auch nicht mehr spielen.
Sach mal, weisst du nicht wat? Irgendwie so einen Trick, wie ich die Bande hinters Korn führen kann. Ich mein, viel lernen tun die sowieso nicht mehr.

Dat sach mal nich, ich glaub da weiss ich wat. Schick die Burschen doch einfach wieder zurück, da wo se alle hergekommen sind.
Dat wollen die doch alle gerne, nur wat meinst de, wat die mir da anrichten! Dat wird kriminell.
Ja, nee nee. Pass mal up. Die müssen alle andere Rollen einnehmen. Der Amerikaner wird Iraker, der Deutsche wird Jude, die Türken werden Griechen und die Israelis werden Palästinenser und so wat alles. Da merken die erst mal, wat der Andere so denkt und durchgemacht hat. Ja, und wenn die dann alle wieder zu dir kommen, wat meinst du, wat die Mucksmäuschen still sind. Dat glaub mal. Da macht keiner den Mund auf. Sonst drohst de direkt wieder mit Versetzung an.

Dat is et. Mensch Jung, du bist ja wirklich für wat zu gebrauchen. Dat is jedenfalls en Versuch wert. Engelchens, ich brauch die Formulare. Steffen bleibst de noch en Bischen?

Ne du, ich muss los. Ich wollte mit dem Frank Bovie noch en Bierchen trinken, weißt de, der von der Eichenstrasse.

Dat is doch der Schmale, ich mein ja immer, der hätt irgendwat, so schmal? Der sollte mal mehr Kaffe trinken, dat is gesund. Hat mir mal einer erzählt. Soll dat Blut flutschig machen.
Ja, dann mach et mal jut. Und ich komm dann mal wieder rum und frage nach, wat so passiert is. Tschüssi!

Ja Tschüssi, Steffen. Und wenn ich mal wieder Plätzchen machen lasse, kommst de einfach rum.
Die Engelkes freuen sich doch auch immer, wenn se dich sehen!

Da fällt mir ein, ich muss demnächst mal wieder zu ihm hin, gucken wat so passiert ist, in seinem Garten...


Startseite | Steffen | News | Tickets | Tourdaten | Ticket-Aktivierung | @Litfass! | Steffen Kersken & Friends | Die Projekte für den guten Zweck | Spenden und Werbung | Konzert-Berichte | Neue Bücher und Texte | Presse | SHOP/ Bücher/Audio CDs/DVDs | Händlershop | Galerie Steffen & Tourbilder | Audios | Videos | Presse Login | Kontakt und Buchung | Fanpage | Literatur- Preis | Links | Facebook | Impressum | Sitemap


Untermenü


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü