Steffen Kersken


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* Der Typus Niederrheinus A

Neue Bücher und Texte > * Buch 2013: Da machste nix dran!

Buchauszug

Kategorie A
Das Lexikon würde den Typus A wie folgt umschreiben:
Hager vom Körperbau , fast dünn, eher unauffällig und knorrig.
Dieser Typ spricht kaum, meistens nur auf Anfrage, bzw. nach zweiter Anfrage.
Ausprägung für diesen Typus:
Er denkt lange nach, bevor er dann nichts sagt!
Menschen die viel Rückmeldung durch andere benötigen, fühlen sich in seiner Umgebung unwohl. Denn der Typus A gibt seiner Umgebung weder positive noch negative Rückmeldung. Er gibt meistens gar keine Rückmeldung.
Die Begründung für sein Verhalten ist dabei einfach umschrieben:
„So sacht man nix Falsches und tritt auch niemanden auf die Nase.“
Durch sein passiv - aggressives Verhalten verleitet er sein Umfeld dazu, ständig und in einem Guss zu reden, man sacht am Niederrhein auch, zu quasseln, oder zu schwatten. Dieses beruht auf die zunehmende Verunsicherung seines Gegenübers, nicht zu wissen, wie man bei diesem Typen denn nun ankommt. Also quasselt man ihn voll, nur um irgendwie eine Reaktion seiner Seite zu erhalten. Es ist kein Wunder, dass man sich nach einem Gespräch mit Typ A durchaus schlecht fühlt, denn alles Quasseln lockt ihn nicht ein Bisschen aus der Reserve.
Dieser Niederrhein Typus beseitig jedes Hindernis durch seine ausdauernde Beharlichkeit.
Häufig tragen Niederrheiner dieser Ausprägung des Typus A, sehr kurze und prägnante Namen bzw. Spitznamen, wie Kalle, Bolle, Willy oder Harry.
Die Kurzform des eigentlichen Namens spiegelt dabei den Typus A in seiner einfach gestrickten Verhaltensweise und nonverbalen Kommunikation mit seiner Umwelt wieder. Ein Typus A zeigt seine Innenwelt, wie z.B. Freude, nicht mit exzentrischer Gestik. Er würde nie einen Luftsprung vor Publikum ausführen, oder gar in Euphorie ausbrechen.
Stattdessen zeigt er seine versteckte Lebensfreude darin, für Nahestehende dann extrem überraschend, indem er ein Hawaii Hemd trägt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Hemd nun dem Umfeld angemessen ist, oder völlig fehl platziert wirkt. Sobald Typus A Freude empfindet, trägt er bunt auf, stattdessen er sein Gefühl extrovertiert zu äußert. Das ist die einzige Situation, in der ein Typus A wirklich auffällt, denn ansonsten versucht er so gut es geht in der Masse zu verschwinden. Der männliche Typus trägt dezente Farben und vermehrt karierte Hemden, der weibliche Typus öfters Hose, statt knappe Röcke. In Gruppen fällt er fast nicht auf, denn seine Stärke ist das so genannte „Chamäleon Verhalten“. Irgendwie passt er sich optimal den Schwingungen seines Umfeldes an, wodurch er in der Breite der Gruppe beliebt ist.
Dieser Typ ist auch immer ein echter Freund, der mit dir durch das Schwafheimer Meer schwimmen würde, wenn du ihn nur darum bitten würdest.
Menschen die sich an den Typus A gewöhnt haben, sprechen die Kurzform seines Namens sehr gerne und fröhlich Zwitschernd aus, während im Umgang mit Typus A ungeübte Personen, eher die Vollversion bevorzugen, und damit ihre eigene Unsicherheit und Distanz zum Ausdruck bringen.
Nicht selten baut sich diese Unsicherheit und Distanz schnell ab, je nachdem wie Oft man mit Typen wie Harry und Co. in Kontakt gerät. Viele Menschen bekommen dann überraschender Weise, irgendwann nicht mehr genug von diesem Typus, und auch ich ertappe mich dabei, stetigen Kontakt zu Harry und Co. zu suchen. Das Schweigen, auch in den verschiedensten Lebensumständen und schwierigsten Problematiken, wird Anfangs als peinlich, später jedoch mehr als angenehm wahrgenommen.
Klar ist datt jut, wenn du mal Mist baust, und dein Gegenüber sacht nur:
„Kann man doch mal machen“, oder
„Jut, is halt passiert. Schitt wat drupp“
Komplexe Problematiken, wie Fahrerflucht, permanentes Fahren ohne Führerschein, Hintergehen des Lebenspartners, Wirtschaftsdelikte, Mobbing und Berufsdelikte, dass nicht bezahlen eines Bierdeckels, und das plötzliche Schwul werden des sechs fachen Vaters und evangelischen Pastors, sowie das Platzen jeglichen Sack Reis auf dieser Welt, werden entzerrt, vereinfacht ohne großes Tamtam, Messer scharf analysiert, und psychologisch klar auf den Punkt gebracht. Mit einem kleinen Satz. „Schitt wat drupp“.
Was Psychologen in endlosen Sitzungen mühselig entschlüsseln, nur um den psychisch labilen Patienten wieder in die Spur zu bekommen, wird vom Niederrheiner Typ A mit einem Satz reflektiert, und für seinen Gegenüber mit einfacher zielorientierter Botschaft versehen.
Der Psychologe oder Therapeut arbeitet das Geschehene mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie, oder der Gesprächstherapie auf, spiegelt dem Patienten dabei alle entstandenen Gefühlswelten, um Schritt für Schritt neue Ziele zu formulieren.
Ein Typ wie Bolle sacht aber einfach:
„Jut, is halt passiert. Schitt wat drupp“
Psychologisch übersetzt bedeutet dieser Satz:
Gut, das Geschehene können wir nicht verändern, und auch Kommendes können wir nicht beeinflussen, mit dieser Tatsache und mit all den dazu gehörigen Enttäuschungen leben wir, wir akzeptieren all die Gefühle die dabei entstehen, aber wir lassen uns davon nicht beherrschen, wir geben uns unserem „Schwarzdenken“ nicht hin. Jetzt tun wir etwas, damit es uns besser geht. Wir sind aktiv an unserer Stimmungsänderung beteiligt. Wir tun uns wieder etwas Gutes, wir planen wieder schöne Aktivitäten, wir sehen uns wieder selbst.
Was passiert ist, ist passiert. Scheiß was drauf!
Typus A braucht für den ganzen Krempel nur einen Satz!
Ein anderes oft erlebtes Thema: Zweifel und Entscheidungen treffen.
Frau Bergmann aus Kleve lebt in Scheidung. Die Trennung ist leider komplett unsauber, und mit extremen Kränkungen auf beiden Seiten verlaufen. Die Folge:
Depression nach Trennung.
Frau Bergmann durchlebte die klassischen sieben Phasen der Trennung:

Einschub Psychologie: Trennungsschmerz

1. Die Schockphase, in der die Situation nicht realisiert und verarbeitet werden kann.
2. Das Verleugnen der Trennung, in dieser Phase will der Verlassene die Trennung einfach nicht wahr haben. Er hofft auf Versöhnung und glaubt nicht an eine endgültige Trennung.
3. Zorn und Wut, das Aufbrechen von Gefühlen führt zu Aggressivität und Verlust von Selbstwert.
4. Schulterschluss mit dem Ex-Partner, hier wird wieder eine Versöhnung ersehnt, und Tätigkeiten entwickelt, wie dieser zurück gewonnen werden kann.
5. Depression, die Trauer keimt auf. Schmerz macht sich breit.
6. Akzeptanz und Abschied nehmen, der Ex- Lebensabschnittsgefährte wird losgelassen.
7. Der Blick nach vorn.

Frau Bergmann hatte diese Phasen durchlebt, mit all ihren Facetten und Rückschlägen.
Nach einem Tagesklinik Aufenthalt in Norddeutschland und einer einjährigen ambulanten Gesprächstherapie, wagt sie einen Neuanfang. Endlich kann Frau Bergmann wieder offen auf Menschen zugehen, und sich der Welt mit ihren Gefühlen öffnen.
Sie möchte von Kleve weg nach Köln ziehen, um einen privaten und beruflichen Neuanfang zu wagen. Dieser Schritt hat Vor- und Nachteile.
Zum einen würde sie ihren jetzigen Freundeskreis zurücklassen, zum anderen aber in Köln neue Menschen treffen. Zum einen könnte ihr Sohn in Kleve weiter zur Schule gehen, und müsste sich in Köln nicht einleben, zusätzlich würde auf Frau Bergmann in Köln eine bessere berufliche Perspektive warten.
Eine Zwickmühle! Wie soll ich da eine gute Entscheidung treffen? Das Grübeln und Kopfkino beginnt, gefolgt von schlaflosen Nächten.
Frau Bergmann hindert ihr starker Selbstzweifel an einer klaren Entscheidungsfindung, doch nach Stunden langer Diskussion mit ihrem Therapeuten rückt der Zeitpunkt der Entscheidung näher.
Doch wie soll sie sich entscheiden? Nach Bauchgefühl, oder nach rationaler Abwägung, wie sie es in der Therapie bereits schriftlich formuliert hat?
Zu ihrer besseren Unterstützung und Entscheidungsfindung, hat sie sich spontan mit ihrem Kumpel Harry in einem Cafe in Kevelaer getroffen.
Harry hört sich die Trennungsgeschichte seiner Freundin, Frau Bergmann, nun etwa zum einhundertsten Mal an.
Und nach einer Stunde Frust Quasseln, fragt Frau Bergmann auch direkt hinaus:
„Und Harry, meinze nich in Köln geht et mir besser?“
Harry schweigt einen Moment.
Der Therapeut würde eventuell an dieser Stelle über Faktoren oder Hindernisse sprechen, die ein Kölner Leben erschweren, oder befürworten. Er würde für Frau Bergmann in therapeutischer Aufarbeitung alle Eventualitäten, realitätsnah sichtbar machen.
Harry tut das alles auf seine Weise, mit einem Satz:
„Datt kann, muss aber nich.“
Während du dich jetzt vielleicht fragst, warum hilft diese Antwort Frau Bergmann weiter, versteht diese Harrys Antwort sehr wohl. Denn als gebürtige Niederrheinerin ist sie in der Dialogführung mit dem Typus A geschult.
„Was ist denn, wenn ich in Köln keinen Anschluss finde, der meine berufliche Qualifizierung einfach nicht ausreicht? Dann steh ich da allein. Aber warum soll ich mich von all dem entmutigen lassen, und nicht mal einen neuen Weg beschreiten und den Schritt nach Köln wagen!“
Harry schweigt einen Moment, und antwortet dann überlegt:
„Sicher, kannze datt machen. Kannze aber auch sein lassen.“
Das ist Harrys Art zum einen Zustimmung und Verständnis zu geben, hier mit dem Satz,
„Sicher, kannze datt machen“, aber auch die Eventualitäten zu beachten, um gegebenen Falls auch eine andere Entscheidung offen zu halten, oder andere Entscheidungen nicht vorab auszuschließen. „Kannze aber auch sein lassen.“, heißt also übersetzt, „Bitte Handel bedacht und nicht überstürzt. Du darfst dir Zeit lassen!“
Harry` s Satz bringt Frau Bergmann in ihrer Entscheidungsfindung voran und sie folgt ihrem Bauchgefühl und zieht zwar nicht nach Köln, aber zu Harry nach Moers.
Der Typus A hat auch den wohl am weit verbreitetsten Satz überhaupt entwickelt:
„Da machse nix dran“, oder auch gern nur,
„Da machse nix“.
Dieser Satz wird bereits von allen niederrheinischen Typ Kategorien universell verwendet, mehr noch, auch in anderen Teilen Deutschlands hat er sich bereits durchgesetzt.

Extra Tipp: Entscheidungen treffen und Probleme lösen
1. Gehe das Problem systematisch an, damit du eine Entscheidung ausgewogener treffen kannst. Die Psychologie bietet hierzu eine Reihe von Modellen an, wie das 6 Hut – Denkmodell, oder Selbstcoachingmodelle. Ich biete dir an dieser Stelle eine kreative Variante an:
Du erstellst aus grünem, weißem, und rotem Kartonpapier kleine Plakate und ordnest diese vor dir auf dem Boden an. Ganz links liegen die roten, in der Mitte die weißen, und rechts die grünen Plakate. Nun stoppe das Grübeln einfach mal für einen Augenblick, und hinterfrage dich genau, was das Kernproblem für dich ist. Versuche eine klare Aussage zu treffen und schreibe sie auf das rote Plakat, welches links liegt. Beispiel:
Ich bin unzufrieden in meiner Beziehung; Ich fühle mich einsam; Meine Arbeit macht mich fertig usw..
Wichtig ist: Du solltest mit dem nötigen Realismus an Tatsachen gehen und dich mit bestimmten Gegebenheiten abfinden:
„Das ist jetzt so und lässt sich kurzfristig nicht ändern!
Ich arrangiere mich damit und versuche alles meine Situation zum besseren zu führen!“
-->mehr im Buch

Typ A - "Der Unauffällige"


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